Was muss ein Hund können?

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Tja, was muss er den können, mein lieber Vierbeiner? Und die bessere Frage? Warum muss er dies oder das denn können? Ich widme mich heute diesen Fragen, weil sie mir oft im Hundetraining begegnen. Aktuell hatte ich einen Fall, der mich so fassungslos gemacht hat, dass ich ihn Euch nicht vorenthalten möchte.

Klingeling, das Telefon klingelt, eine Frau am Telefon. „Ja hallo, hier ist Frau Meier, ich habe seit einer Woche einen Hund aus dem Tierschutz und der kann echt rein gar nichts. Der ist total unerzogen. Sie müssen kommen und sich das dringend mal ansehen.“ Prima. Das liebe ich ja. Wie, der Hund von der Strasse aus dem Ausland kann nichts? Ach nee, das ist ja wirklich mal was Neues. Sonst können doch gerade die Hunde aus dem Tierschutz ALLES… *Ironie aus*

Ich also dahin gefahren um mir die Sache mal anzuschauen und nach zehn Minuten im Gespräch, wusste ich, der Hund bleibt da nicht mehr lange, was auch das Ende vom Lied war. Da war das Ding mit der Katze. Die Katze war schon ein paar Jahre vorher da und fand den neuen Mitbewohner ziemlich übel. Sie wohnte seit einer Woche im Kleiderschrank. Gut, alte Katze, neuer Hund, meistens nicht so einfach, aber man muss den Vierbeinern auch einfach mal Zeit geben. Eine Woche… Etwas wenig. Bei diesem Punkt hat die gute Dame schon ziemlich wenig im Voraus mitgedacht.

Nun ja, die Dame hatte sich zwei Wochen frei genommen, um dem neuen, tierischen Mitbewohner ihr Leben zu vermitteln. Dann sollte er ohne Wenn und Aber Alleine bleiben können, so fünf Stunden, die Katze in Ruhe lassen, nicht an der Leine ziehen und überhaupt alles, was der alte Hund konnte, Sitz, Platz, Pfote, in der Ecke sitzen und nicht auffallen.

Ich muss immer noch schockiert lachen wenn ich an dieses Gespräch denke. Wieso denn der Hund gar nichts könne, mit seinen neun Monaten? Der hat da doch in Spanien bei einer Dame mit 20 Hunden gelebt. Die hätte ihm ja wohl mal alles beibringen können?! Der kann ja nicht mal Sitz. Da gehen ja innerlich mit mir die Pferde durch 😦 Am liebsten würde ich die Leute dann fragen, ob sie eigentlich noch bei klarem Verstand sind, aber gut, mein Job ist es ja zu helfen, vor allem dem Tier. Ich fragte die Dame dann, warum ein Hund Sitz machen können müsste. Grosse Augen. Ich fragte noch mal: „Warum muss ein Hund Sitz machen?“ Ja, um an der Strasse zu sitzen. Aha. Warum das denn? Dieser Schwachsinn begegnet mir auch ständig. Wer hat das denn eigentlich ins Leben gerufen, das Hunde an der Strasse Sitz machen müssen? Eines der für mich unnötigsten Dinge im Zusammenleben mit dem Hund. Strasse nass, Sitz, Strasse voll Schnee, Sitz, Strasse heiss, Sitz. Was ein Unsinn. Jedenfalls sagte ich ihr dann, dass der Hund auch lernen kann, ganz normal stehen zu bleiben wenn man auch stehen bleibt. Ja gut, dann hatte sie auch keine Antwort mehr darauf warum ein Hund sitzen machen können MUSS.

Überhaupt geht es nur noch darum, was ein Hund alles können MUSS. Das ist wirklich so ein Driss. Am besten Handstand, Agility, trailen, Dogdancing, immer und überall brav an der Leine gehen, nicht auffallen, kein Laut von sich geben und eben einfach funktionieren. Ich sage, du machst. Herrlich. Unrealistisch.

Natürlich sage ich nichts gegen eine gewisse Grunderziehung, sie dient ja auch zur Auslastung und es macht Spass dem Hund Dinge beizubringen. Meine Hunde können auch Pfote geben, ich find das halt lustig. Aber sie MÜSSEN es nicht. Mein Hund muss sich auch nicht aufs nasse Gras oder den kalten Boden legen, nur weil ich es mir gerade einbilde. Es gibt ein paar Dinge, die ich meinen Hunden beigebracht habe, weil sie uns das Leben erleichtern. Alleine bleiben zum Beispiel. Oder nicht an der Leine ziehen, weil das weder für meine Schulter noch für deren Halswirbelsäule gut ist. Und Rückruf. Ich möchte dass meine Hunde kommen, wenn ich sie rufe. Ansonsten müssen sie nix. Mein Ridgeback kann so viele Dinge nicht, die andere von ihren Hunden verlangen. Nur stört es mich nicht was andere denken oder wie deren Vorstellungen sind, wie etwas sein müsste. Abruf, alleine bleiben können, nicht an der Leine ziehen. Punkt. Das hat der Ridgeback verstanden und so leben wir prima zusammen.

Anders meine Jagdhündin. Die kann ungefähr fünfhundertzweiundachzig Kommandos. Einfach, weil es ihr Spaß macht zu lernen. Und einfach, weil es mir Spaß macht, mit einem hoch motivierten Hund zu arbeiten. Aber müssen? Bis auf die drei Dinge, die mir wichtig sind, damit jeder etwas Freiraum geniessen kann, muss hier keiner was.

Man sollte sich mal überlegen, was man so alles von seinen Tieren verlangt. Alle, die so einem gesellschaftlichen Bild folgen, das aus den Vorstellungen anderer gemacht ist, sollten zuallererst mal an sich selbst arbeiten. Schlaue Sprüche haben ja alle. Nur machen die Tiere da meistens genau dann nicht mit.

Und übrigens, immer erst den Hundetrainer zu rufen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, und dem dann zu sagen, wenn das nicht schnell klappt, kommt der Hund weg, ist unterste Schublade. Bei mir zieht so eine Aussage schon lange nicht mehr. Ja, dann kommt er weg, und zwar in bessere Hände als deine, mein lieber Freund! Wie mich das aufregt. Was soll der Hundetrainer machen? Zaubern? Gerade diese drei Dinge, Abruf, Alleine bleiben, an der Leine gehen, dauern am längsten von allen anderen Kommandos. Dagegen ist Sitz und Platz ein Kinderspiel.

Es ist schade was aus der ganzen Hunderziehungskiste geworden ist. Viele Menschen in der Stadt, mit einem Vollzeitjob und wirklich zu wenig Zeit, sollten keinen Hund haben. Die Realität ist aber, dass der Hund irgendwo zwischen Job, Beziehung und Hobbies rein passen MUSS. Dazu MUSS er schnell funktionieren. Und der Hundetrainer hat es gefälligst zu richten. Verkehrte Welt!

Eure Hundetrainerin
Nathalie

089dogs Hundetraining München
auf Facebook: https://www.facebook.com/089dogs

 

Welpenschutz? GIBT’S NICHT!

3 Kommentare

Wie oft erlebt man diese Situation: Ein Welpe überschreitet Grenzen und verhält sich wie ein betrunkener Randalierer, da schießt ein Junghund los und gibt dem Welpen eine ordentliche Klatsche – infolge dessen wird der Junghund und dessen Halter sofort als unsozialisiertes Pack bezeichnet.

Wie kommt es dazu? Nun, will man vereinzelten Hundetrainern, Tierärzten, Büchern und Internet glauben (und natürlich den Besserwissern auf der Hundewiese), so hat ein Welpe nun mal Welpenschutz und darf sich somit alles erlauben was geht ohne sich dafür eine Tracht Prügel einzufangen. Es wäre schön wenn`s so einfach wäre aber leider ist es ein Ammenmärchen und eine faule Ausrede fauler Hundebesitzer die auch alles glauben was man ihnen erzählt – oder meinen, sie könnten sich durch WELPENSCHUTZ auch ERZIEHUNGSSCHUTZ ermogeln.

Liebe Hundebesitzer. Vergesst das mit dem Welpenschutz. Gibt’s einfach nicht.

Nachdem wir das also festgestellt haben, wollen wir uns kurz, und wirklich nur ganz kurz, auf fachlichem Terrain bewegen.
Im eigenen Rudel gibt die Mutter den Welpen Schutz bis zu einem Alter von ca. 8 Wochen. Fachleute streiten sich darüber, ab wann ein Welpe aus der Welpenphase raus ist, das reicht von 8-12 Wochen. Ab dann müssen Welpen mit Konsequenzen für ihr Verhalten rechnen, auch im eigenen Rudel. Eigentlich ist ein Welpe der bei uns einzieht also eher ein Junghund und vom Junghundeschutz habe ich Gott sei Dank noch nie etwas gehört.

Erwachsene Hunde gestatten den kleinen Rowdies meist Narrenfreiheit. Das hat aber nichts mit einem besonderen Schutz (etwa Duft etc.) zu tun. Andere Hunde erkennen höchstens, dass der kleine Prolet noch einiges lernen muss und deshalb gehen Zurechtweisungen in den meisten Fällen unblutig aus. Es stellt sich oft die Frage: Wann greife ich ein?

So pauschal kann man das nicht beantworten, da unangenehme Zusammentreffen nun mal sehr situationsabhängig sind. Es gibt Hunde, gerade in der Pubertät, die den Kleinen gerne eine überziehen. Entweder ihnen ist es nicht anders gegangen und sie haben das noch nicht vergessen, sind selbst in der Phase in der sie noch die ein oder andere Ohrfeige einfangen oder sie haben einfach Schadenfreude daran, dem kleinen Fellknäuel zu zeigen wo es langgeht. Grundsätzlich ist dagegen auch erst mal nichts einzuwenden. Und jetzt laufen Sie bloß nicht zu dem kleinen Hund hin der quiekt als hätte er eine Gummiente verschluckt, betüddeln ihn und sagen: „Oh Du armer kleiner feiner Hund“. Damit erziehen Sie sich nämlich einen Angsthasen und wer will den schon? Klopfen Sie dem Kleinen lieber auf die Schulter, sagen: „Alles gut, auf geht`s weiter“ und gehen dann auch weiter. So baut man Selbstvertrauen auf und vermittelt, dass das doch jetzt gar nicht so schlimm war.

Wird es zu heftig und steigert sich der erwachsene Hund in die Mobbingattaken rein, so gehen sie entspannt  aber bestimmt „dazwischen“. Jagen Sie den anderen Hund weg (zeigen Sie in irgendeine Richtung und rufen „Ab“ – „Hau ab“ – „Verpiss Dich“ – (egal was Sie sagen, es sollte ernst gemeint und im bestimmten Ton sein und frontal auf den Hund zu) – die meisten Hunde hauen ab. Das kann man übrigens immer prima anwenden, wenn einen ein fremder, unangenehmer Zeitgenosse nervt.

Für die zweite Möglichkeit die ich hier nenne, werde ich wahrscheinlich wieder mal geköpft von den Profibesserwissern, die an allgemeinen Weisheiten steif festhalten und sonst auch nicht viel mehr auf die Reihe kriegen außer bei anderen abzuschreiben 😉

Meine jahrelange Arbeit die ich bis heute ohne einen Hundebiss meistere, mit zum Teil wirklich verhaltensauffälligen, bissigen Hunden hat gezeigt dass ich recht behalte: Stürzt sich ein Hund auf einen anderen Hund, so geht man kommentarlos auf die Hunde zu, schnappt sich den Angreifer im Nacken (Geschirr oder Halsband), schmeißt ihn mit einem kräftigen Ruck runter und jagt ihn, wie beschrieben, weg. Wir reden hier ja nicht von einer wilden Beißerei zwischen zwei 25kg Hunden sondern von einem Welpen der von irgendeinem Machoköter angegriffen wird. Und selbst von meinem 45kg Hund habe ich schon mindestens genauso schwere Kaliber in dieser Art und Weise runter geholt und auf den Boden geworfen (und das mit meiner, wie sagt eine liebe Kundin von mir so gerne, elfenhaften Statur). Es ist mir erstens ziemlich egal ob der Hund davon einen psychischen Schaden erleidet oder der andere Hundehalter sich empört, die können ja dann in mein Hundetraining kommen, wo man vorzeigbares Benehmen in der Hundeerziehung statt Ammenmärchen lernt. Andere Hunde haben auf meinen Hunden nichts verloren, weder von hinten noch von oben. Wollen irgendwelche fremden Flohteppiche ihre Kräfte ausleben, dann bitte auf den Hunden, deren Besitzer blökend daneben stehen und lieber zugucken statt zu machen. Für alle die, die sich das NIEMALS trauen würden, empfehle ich einen günstigen Tierarzt und ein gutes Mittel gegen Heiserkeit 😉

Ich weise natürlich, für alle die jetzt schon wieder Sturm gegen meine Aussage laufen, darauf hin, dass man besser nicht dazwischen geht, wenn zwei Hunde sich in einer ernsthaften Beißerrei verkeilen. Hände haben grundsätzlich nichts in ernst zu nehmenden Beißereien verloren, sehr wohl aber wenn ein Hund sich auf meinen Welpen stürzt oder einfach nur rammeln will und der andere Hundehalter zu unfähig und doof ist, sich seinem Hund selbst anzunehmen.

Abschließend liegt es mir am Herzen zu sagen, dass ein Hund ein ganzes Leben lang Welpenschutz hat – das ist nämlich der Schutz, der von seinem Herrchen/ Frauchen ausgeht. Mein Hund hat meinen Schutz! Und da Hunde sowieso nichts mehr dürfen weil sie dann gleich als verhaltensgestört und aggressiv abgestempelt werden, übernehme ich gerne den Welpenschutz für meinen Hund. Ein Leben lang!

Und damit Welpen lernen, nicht nur mit Welpen sondern auch mit Junghunden und älteren Hunden umzugehen, dadurch besser sozialisiert sind und auch viel schneller die „Regeln“ verstehen, gibt es bei uns gemischte Spiel- und Lernspaziergänge mit Hunden und Menschen jeder Altersklasse. Die Termine dafür findet man auf unserer Website 089dogs Hundetraining München oder auf Facebook: 089dogs Hundetraining Fanseite

Ich danke meiner lieben Nicole, einer jungen, ambitionierten Hundetrainerin aus der Nähe von Wetzlar, für die Idee zu diesem Artikel. Ihre Seite findet ihr hier: Hundetraining Wolfsherz und auf Facebook: Hundetraining Wolfsherz Fanseite

Wer außerdem eine gute Idee für einen Artikel hat, kann mir diese unter nathalie@089dogs.de gerne zukommen lassen. Unter allen EInsendungen wird ein Goodiepaket versendet 🙂

 

In diesem Sinne, ein wunderbares Wochenende!

Die Hundetrainerin

Hundetraining München