Marla und das Glück auf Umwegen

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Ich fuhr zur Hundepension und freute mich sehr Marla nach gut einem Jahr wiederzusehen. Ich würde sie jetzt abholen, eine Nacht bei mir behalten und dann in ihr neues Zuhause bringen.  Ich freute mich auf diesen lebhaften, fröhlichen, überaktiven Hund. Allen Interessenten am Telefon habe ich die Wochen davor schon gesagt, dass Marla sehr, sehr aktiv ist und viel Unsinn im Sinn hat. Lebhaft, immer dabei sein wollen, interessiert, die Nase überall, ein Hund, der am Leben teilhaben will, den man nicht abschieben kann ins Körbchen, ein Hund, der stark und eigenwillig und dabei so sanft ist.

Ich kam an der Hundepension an und wenn ich das schreibe, laufen schon wieder die Tränen. Die ganze Situation hatte mich natürlich schon schockiert. Ein Hund, der nach knapp vier Jahren von heute auf morgen schuldlos sein Zuhause verliert und letztlich im Tierheim landet, kann einem nur leid tun. Aber ich war guter Dinge, dass dieser quirlige Hund bald das richtige Zuhause findet.

Ich stieg aus. Machte den Kofferraum schon mal auf um das restliche Futter, die Spielsachen und sonstige Marladinge einzuräumen. Ich hatte mir überlegt, sie auf die Rückbank zu lassen, dort lag schon eine dicke, große Decke auf der sie es sich bequem machen konnte, rechnete aber erst mal mit einem hüpfenden Hund im Auto. Ich war voll vorbereitet auf eine Menge Marla.

Marla hüpfte mir entgegen und freute sich ungemein mich zu sehen. Oh ja, sie erkannte mich, juhuuu. Das war also schon mal geklärt. Sie musste nicht das Gefühl haben mit einem fremden Menschen mitzugehen. Sie war wild und aufgedreht und gar nicht ansprechbar, weinte und bellte. Ich wollte ihre Sachen ins Auto packen, nahm das Futter und… Und sonst nichts. Marla hatte ein Halsband um und eine dünne, fast zerfetzte Leine. Ich fragte noch mal nach ihren Sachen. Nichts. Keine Decke, kein Spielzeug, keine anderen Halsbänder oder Geschirre, keine ordentliche Leine, rein gar nichts. Marla wurde ohne alles vor die Tür gesetzt. Mich traf das sehr.

Marla sprang ins Auto, sah noch kurz hinaus und legte sich dann hin. Kein Weinen, kein Fiepen, kein Bellen. Sie sah sehr erschöpft aus. Die ganze Fahrt schaute ich immer wieder zu ihr, keine Regung. Mal ein tiefer trauriger Blick, das war`s. Zuhause angekommen freute sie sich sehr über Sunny. Sie spielten eine halbe Stunde, dann lagen sie zusammen gekuschelt da. Selbst Tequila, der Muffelhund, gesellte sich zu ihr. Es war so eine schreckliche Ruhe. Mir wurde es immer klarer. Marla war total fertig und erschüttert traurig.

Als Bettina und ich Marla aus dem Tierheim holten um sie in die Pension zu bringen, taten wir das auf unsere Kosten und aus dem Grund, weil mir theoretisch bewusst war, was ein Tierheim ohne persönliche, menschliche Ansprache für so einen hoch sensiblen Hund bedeutet. Theoretisch habe ich deswegen rational den besten Platz für sie gefunden und bin heute sehr froh, dass ich Marla vorher nicht gesehen habe. Mir brach es im Nachhinein absolut das Herz diesen Hund so zu sehen. Sie sah fast so aus, als hätte sie sich aufgegeben.

In der Nacht durften sie und Sunny im Bett schlafen. Marla hatte sich ein Spielzeug auserkoren, dass sie mit ins Bett nahm. Ich dachte, du armer Hund, natürlich darfst du dein Spielzeug hinschleppen wohin du willst, es gehört dir und es nimmt dir keiner mehr weg, egal wohin dich deine Wege führen. Mehrmals in der Nacht stupste sie mich mit der Schnauze an, freute sich wenn ich sie ansah und legte sich dann wieder auf mich. Ich konnte deshalb kaum schlafen, aber sie strahlte aus, dass sie das so sehr brauchte, wie Luft zum Atmen. Irgendwie will ich mir gar nicht ausmalen was sie so in dem letzten Jahr, in dem ich sie nicht gesehen habe, mitmachen musste.

Am nächsten Morgen konnten alle noch einmal miteinander spielen und dann ging es auf lange Reise zu dem neuen Marla Zuhause. Ich weinte die ganze Fahrt. Wie kann man ein Tier so zurichten und wie kann man es so gefühllos vor die Tür setzen und ist es jetzt überhaupt die richtige Entscheidung Marla in ein neues, ihr unbekanntes Zuhause zu bringen? Und haben wir das gut ausgesucht? Erträgt es dieser Hund, hat er Kraft genug und was wird eigentlich aus ihr?

Nach zwei Stunden bin ich schweren Herzens ohne Marla zurück nach Hause gefahren. Der Platz hinter meinem Sitz leer. Als ich aufstand und meine Jacke anzog, wollte sie wieder mit mir gehen. Es brach mir letztlich komplett das Herz. Diesen Hund nun zurück lassen zu müssen und nicht zu wissen was er sich denkt und was er fühlt. Ich konnte nur hoffen, dass wir das Richtige gemacht haben und für Marla alles gut wird. Und ich hoffte, dass sie sich nicht schon wieder verlassen fühlt. Sie sah mich so traurig an L

Als ich Zuhause war, hatte ich schon die ersten Fotos und Nachrichten auf dem Handy. Vorgestern, gestern und heute auch, viele Fotos, viele Berichte. Marla ist inzwischen sogar schon im Freilauf, wartet brav vor dem Kindergarten und geht am Kinderwagen Fuß. Sie spielt mit allen Hunden und ist sehr freundlich zu den Kindern. Sie hat am Tag alle Herzen und in der Nacht das Bett erobert. Es läuft also gut mit und für Marla.

Ich denke jede Minute an sie. Ich wünsche ihr, dass sie ihre Fröhlichkeit wieder findet und auch mal Unsinn machen darf. Ich bete für sie, dass sie ein schönes Leben hat und Menschen, die sie aufrichtig lieben, nämlich dafür, wie sie ist. Lebhaft, klug, charmant, gewitzt, anschmiegsam.

Ich passe auf Marla gut auf. So eine schreckliche Zeit wird Marla nie mehr erleben müssen! In Gedanken streichle und umarme ich sie hundert Mal am Tag. Lustiger Weise kommt dann immer Sunny zu mir. Soll noch mal einer sagen, Tiere wüssten nicht was wir fühlen und denken.

DANKE!!

An dieser Stelle möchte ich allen danken, die Bettina und mich unterstützt haben, damit dass ihr die Beiträge geteilt habt, damit dass ihr uns Geld für den Unterhalt von Marla gegeben habt. Ohne die Menschen, die uns geholfen haben, hätten wir die neue Familie für Marla, die wie die Faust aufs Auge passt, nicht so schnell gefunden.

Ich danke auch Bettina, ohne die Marla verloren gewesen wäre. Bettina und ich haben ab der ersten Sekunde, ohne uns zu kennen und obwohl wir sehr unterschiedliche Menschen sind, alles für Marla getan und absolut zu 100% an einem Strang gezogen. Uns war absolut klar wie ernst und wichtig die Sache war. Bettina hat sich immer wieder um Marla gekümmert und sie letztlich auch aus dem Tierheim geholt und  hunderte Kilometer entfernt in die Hundepension gebracht. Ich habe von ihr nicht einmal in dieser Zeit ein Stöhnen oder ähnliches gehört. Es müsste mehr Menschen von ihrer Sorte geben! Ohne Bettinas Hilfe wäre es für Marla sicher nicht so gut gelaufen!

Ein ganz großes Dankeschön geht auch an die Hundepension LA, die Marla ohne mit der Wimper zu zucken aufgenommen hat. Wir haben angerufen und konnten Marla ein paar Stunden später dort unterbringen weil es im Tierheim einfach kein Zustand für Marla war. Sie haben sich außerordentlich liebevoll um Marla gekümmert, dafür gesorgt dass sie viel Auslauf, Zuwendung, Spiel und Spaß hatte. Es ist absolut nicht selbstverständlich dass sich fremde Menschen so herzlich und bedingungslos um einen Hund kümmern, den sie gar nicht kennen.

Nun Marla, wir alle wünschen Dir, dass Du schnell vergisst und ab sofort nur noch glücklich bist in deinem Leben!!! Ich habe Dich so lieb gewonnen.

Du bist immer in meinem Herzen!!!

 
Deine Nathalie

P.S.: Ich hatte mal einen Blogbeitrag über Hunde geschrieben, die ihr Zuhause verlieren, und ich stehe mehr denn je dazu: Egoismus oder Treue?

 

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Wenn Du nicht hörst, musst du eben hungern.

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Es gibt ja viel Recherche zu dem aktuellen Buch und da ist mir ein Thema in die Finger gekommen, dass ich schon vor vielen Jahren Ad acta gelegt habe, und dachte, das hätte man generell in der ganzen Hundeerziehung – weil man ja nicht vermenschlicht und weil wir nicht mehr in der Sklavenzeit leben. Na, da habe ich aber mal wieder falsch gedacht 😉

Die Rede ist davon, dass einige Hundetrainer und Hundebücher immer noch zu folgendem raten:
Wenn der Hund nicht auf mich hört, dann bekommt er sein Futter nicht mehr auf einmal aus seiner Schüssel, sondern über den ganzen Tag verteilt aus dem Beutel – der provozierend an Frau Oberfeldwebels Gürtel herumwackelt. Was man bei Recherchen so alles lesen muss- da klatscht man in die Hände, aber über dem Kopf. Manchmal hält auch mal der Atem an, es bleibt ein Stück Schokolade im Hals stecken oder man spuckt fast versehentlich die Chai Tea Soya Latte wieder aus.

Bitte? Wenn mein Hund in meiner Wohnung auf meinem Boden liegt und er springt nicht auf wenn ich ihm das sage, dann habe ich ihn gefälligst vom Rudel auszusperren, Frechheit, dieses Pöbel, was bildet sich der wandernde Stinklappen da eigentlich ein? Frisst mir die Haare vom Kopf und macht dann auch noch was er will. Gemeint ist nicht ihr Mann, meine Lieben, gemeint ist der zuckerzuckerzuckersüße Welpe der leider jetzt doch erwachsen geworden ist und bei dem Sie aus Versehen zu früh mit der Hundeerziehung aufgehört haben. Deshalb bekommt er jetzt kein Futter mehr. Pardon, bekommt er natürlich, häppchenweise, aus ihrer majestätisch-gütigen Hand. Weil Sie das in einem mittelmäßig bewerteten Buch so gelesen haben oder weil die Hundetrainerin, die immerhin seit 32 Jahren selbst Hunde hat (und somit eine Menge Erfahrung), das so verordnet hat. Und weil Sie, liebe Hundehalterin, selbst zu faul sind um mal ihr Gehirn in Gang zu bringen.

Ich habe auch gelesen, wenn ich meinen Hund rufe, und er kommt nicht, soll ich genauso verfahren. So Köter, Du weißt was das heißt. Kein Fressi Fressi mehr, dein Nassfutter bekommst du nämlich jetzt über den Tag verteilt aus der Tube. Futter aus der Tube, wieso da denn noch kein Hundefutterhersteller gekommen ist, wenn diese Trainingsmethode immer noch so verbreitet ist. Da schreit die Marktlücke… Stop Stop Stop. Mal im ernst, lassen Sie den Quatsch. Ihr Hund bekommt weiterhin seine Futterrationen aus der Schüssel, zwei bis drei Mal am Tag. Wir können uns ja darauf einigen, dass Sie die Futtermenge etwas reduzieren und die Motivation ihres Hundes durch mega tolle Leckerlis wecken. Die er sonst nicht bekommt. Ansonsten ist es in meinen Augen wie mit allen Chef-Erziehungsmethoden: Wenn Sie den Hund rufen, kommt er weil er HUNGER hat und sein Grundbedürfnis befriedigen möchte und nicht weil Sie sich angestrengt haben eine gute Hundeführerin zu sein und by the way, hoffentlich zeigt ihr Hund ihnen dann auch irgendwann den Stinkefinger und sucht sich sein Fressen einfach selbst.

Ganz nebenbei finde ich das eine äußerst herablassende Methode, Futter gegen Gehorsam, also ich meine die täglichen Futterrationen dafür zu benutzen, nicht die Methode an sich. Absolut vermenschlichendes Verhalten, wenn Du den Teller nicht leer isst, dann gibt’s auch keinen Nachtisch, wenn Du Deine Hausaufgaben nicht machst, gibt’s Fernsehverbot und wenn Du Saubär jetzt nicht sofort den Müll runter bringst, kannst Du beim Hund schlafen.

Meine Lieben, hach, ist es nicht schön dass wir heute schon viel weiter sind? Intelligenter, wissender, wohlwollender, liebevoller. Setzen Sie diese Eigenschaften doch mal bei ihrem Hund ein, bevor Sie ihm das Futter wegnehmen. Ich habe schon viele Hunde gesehen, die das gar nicht witzig fanden, und zack, hatte man einen futteraggressiven Hund. Einige denken wohl, Hunde seien doof. Und ich denke, Menschen sind doof, die ihren Hund hungern lassen, um ihn in den Gehorsam zu zwingen.
Ich hoffe, dieser Unsinn verschwindet endlich mal aus der Hundeerziehung!

 

Die Hundetrainerin
Nathalie Örlecke

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P.S. Rechtschreibfehler und sonstiges kann mein Lektor behalten 😉

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Herr Tutnix und sein schlechtes Benehmen

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Es sei bei diesem Artikel bereits vorweg gesagt: Der Mensch hat immer Schuld und wissenschaftlich betrachtet gibt es für alles eine Erklärung. Aber sagen Sie dass mal den Menschen, die einfach nur den Hund und seinen vierbeinigen Türöffner durch die Parks dieser Welt streifen sehen.

Herr Tutnix ist ein acht Monate alter Rüde, 35kg, geschlechtsreif, zu jeder Zeit bereit und absolut unerzogen. Unerzogen? Neiiiiin, nicht unerzogen, er kann schließlich, Sitz, Platz, manchmal kommt er auch wenn man ihn ruft und zu Hause ist er sooo lieb. Ich meine aber nicht dieses „Unerzogen“, sondern ein richtiges schlechtes Benehmen. Herr Tutnix pinkelt zum Beispiel mit Vorliebe gegen Häuserwände, auch dann, wenn direkt daneben ein Baum oder Busch steht. Herr Tutnix kann das, denn bevor Frau „Kannsichnichtdurchsetzen“ überhaupt verstanden hat, um was es hier geht, ist es passiert. Oder dem anderen Ende der Leine ist es auch einfach egal, wenn der eigene Hund anderer Leute Sachen beschädigt. Lieber Herr Tutnix, wissen Sie eigentlich wie das, besonders im Sommer, stinkt? Oder wie das aussieht? Ich finde, das ist ein ziemlich schlechtes Benehmen denn Häuserwände sind keine Hundetoiletten!!!

Herr Tutnix zieht also weiter seinen Weg entlang und das sieht so in etwa aus wie in einem Flipperautomat. Kennen Sie das? Rechts, links, geradeaus, zurück und das in einem Tempo dass sich der Dosenöffner am anderen Ende der Leine ganz schön konzentrieren muss. Für Herrn Tutnix ist das kein Problem. Er weiß ja, dass sein Frauchen es gut mit ihm meint, er muss schließlich schnüffeln. Und die Zeit, die man mit schnüffeln verbringt, muss man durch mächtiges Ziehen an der Leine wieder rein holen. Ich frage bevorzugt gerne die zufriedenschauende Hundehalterin: „Gehen Sie immer SO Gassi?“ 😉

Aber Herr Tutnix, ich wäre nicht Hundetrainerin, wenn ich nicht all ihr schlechtes Benehmen von A-Z kennen würde. Nicht nur, dass Sie zu jedem süßlich riechenden Busch ziehen, nein, dasselbe machen Sie auch, wenn Sie zu anderen  Hunden wollen. Und zwar unbedingt. UNBEDINGT SOFORT. Da werden alle Motoren gestartet und die Krallen Ihrer vier Pfoten graben sich in den Boden um möglichst mit aller Kraft zum Ziel zu kommen. Na und da sind wir auch schon, bei dem anderen Hund an der Leine, hmmm, und der riecht so gut, da springen wir doch zack, gleich mal hinten auf. Das Frauchen am anderen Ende ihrer Leine hat natürlich das Buch der Ausreden parat: „Das ist normal, das machen die unter sich, das hat nichts zu bedeuten, Hunde machen das so.“  Aha.

Ich finde das als Hundehalterin irgendwie gar nicht so lustig wenn so ein Herr Rüpelprollorüde auf meine kleine, zierliche Hündin springt. Aber auch der Hauch einer Beschwerde wird sofort mit: „Dann lassen Sie ihren Hund doch kastrieren, wenn Sie das stört“ kommentiert. Herzlichen Glückwunsch Herr Tutnix, da weiß man ja von wem es kommt, ihr schlechtes, rüpelhaftes Verhalten, das sicher kein Vorbild für die Hundewelt ist.

So sieht es dann auch im Freilauf aus. Herr Tutnix rempelt alles an was nicht schnell genug weglaufen kann, springt auf alles was es seiner Meinung nach zu bespringen gilt und ganz zum Schluss wird auch noch jeder zweibeinige Untertan angesprungen, der irgendwo Leckerlis in der Tasche hat. Sie können das auch alles machen, ich verstehe das. Denn das Frauchen von Herr Tutnix steht unbeholfen, sich in Argumente verstrickend und irgendwie ratlos in der Ecke und guckt auch schon mal in eine andere Richtung damit man den König der Hundewiese nicht mit ihr in Verbindung bringt.

Irgendwann bekommt das Frauchen von Herr Tutnix dann doch mal richtig Ärger weil es doch irgendwo auf der Welt Menschen gibt, die sich sowas nicht gefallen lassen, und dann rennt man in die Hundeschule und möchte gerne für sechs Monate völlig falsche Erziehung die sofortige Hundeerziehungslösung haben. HAHA.

Lieber Herr Tutnix, ich rate Ihnen möglichst bald in eine Hundeschule zu gehen denn irgendwann kommt jemand aus seinem Haus und dann bekommen Sie mal so richtig Ärger wenn Sie wieder an die Hauswand pinkeln 😉

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Kleine Hunde vs. Große Hunde

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Durch meinen letzten Beitrag „Frau Schlauberger von der Hundewiese“ haben sich einige Leute ziemlich angeschossen gefühlt (danke für diesen herrlichen User-Kommentar). Ehrlich gesagt war mir gar nicht bewusst, dass ein paar Wörter, die einer Geschichte nur etwas Nachdruck verleihen sollten, gleich ganze Hundegruppen beleidigen.

Ich möchte deshalb ganz bewusst ein paar Leserkommentare kommentieren, ich entschuldige mich jetzt schon mal (nicht wirklich ;-)):

Sabrina: „Als Hundetrainer sollte man allen Hunden und Haltern etwas neutraler eingestellt sein, denn wer weiß ob nicht der nächste Kunde jemand mit „doofer Fußhupe“ ist die richtig was lernen kann und will?!!“
Liebe Sabrina, ich glaube nicht dass man als Hundetrainer generell neutral eingestellt sein muss. Ich mag kleine wie große Hunde und kann über beide Gruppen meine Witze reißen. Ob ich das nun als gewöhnlicher Hundehalter oder Hundetrainerin mache, ist total egal. Im Gegenteil, ich habe natürlich einen ganz anderen Einblick durch meine Arbeit und den teile ich gerne. Meiner Meinung nach sind viele Kleinhundebesitzer selbst dran schuld dass sie so abgestuft werden. Es kommen sowieso nur die vernünftigen Kleinhundebesitzer in mein Hundetraining, die tragen ihren Fiffi nicht in der Tasche rum und sehen den Hund auch nicht als Babyersatz. Ich finde nichts schrecklicher als einen Hundebesitzer der seinen kleinen Hund behandelt, als sei er ein Stofftier dem man witzige Klamotten anziehen kann. Die vernünftigen Hundebesitzer fühlen sich von einem Wort wie Fiffi auch gar nicht angesprochen 😉

Gusty: „Ich möchte mal festhalten, dass nicht alle kleinen Hunde Kläffer und unerzogen sind. Ich kenn da auch einige große Hunde auf die diese Beschreibung passt wo das andere Ende der Leine die Hundeweisheit mit der Mistgabel gefressen hat.“
Lieber Gusty, da haben Sie Recht. Aber nicht völlig. Viele Hundebesitzer von kleinen Hunden haben es nicht nötig ihren Hund zu erziehen. Da sieht es bei großen Hunden schon ganz anders aus, die kann man nämlich nicht mal eben auf den Arm nehmen und weglaufen. Ich denke, es gibt von jeder Sorte überall etwas. Große Hunde, die nicht erzogen sind, kleine Hunde die nicht erzogen sind. Aber es ist teilweise einfach etwas nervig wenn wieder so ein kleiner Kläffer angerannt kommt und den ganzen Park in Aufruhr bringt. Und dann bekommen sie Panik, die Damen in ihren Chanel Stiefelchen, oh nein, wenn der kleine Hund jetzt gebissen wird… Ich habe weiterhin kein Verständnis für sowas. Und als Hundetrainerin noch gleich dreimal nicht. Denn ich sehe Hunde, egal ob klein oder groß, als Lebewesen mit eigener Persönlichkeit und es brennt mir in der Seele (und meistens auf der  Zunge) wenn ich wieder eine Kleinhundebesitzerin sehe, die ihren Hund nicht als Hund, der er nun mal ist, behandelt. Bei kleinen Hunden kommt oft das Kindchen Schema raus.

Soviel sich auch einige Leute über den Artikel geärgert haben (und Dinge geschrieben haben, die echt niveaulos sind), man kann die Klischees einfach nicht von der Hand weisen und ich werde mich dieser bedienen, so lange es noch Menschen gibt, die diese bestätigen. In mein Hundetraining kommen wenig kleine Hunde. Das unterstützt doch nur die These, dass das Schoßhündchen gerade mal in die Welpenspielstunde gehen und dann ein Leben als lebende Puppe weiterführen darf.

Ich habe nichts gegen kleine Hunde. Die haben genauso Charakter wie ein großer Hund auch. Alleine das zu unterscheiden, ob jetzt großer oder kleiner Hund, widerstrebt mir. Ich kann auch nur den Kopf darüber schütteln, auf welche Assoziationen so mancher Leser kommt. An meinem Schreibstil ändert sich deshalb nichts. Wer es niveaulos findet, braucht es ja nicht zu lesen und humorlose Leute kommen eh nicht in mein Hundetraining, in der Tasche abgelegte Fiffis schon gar nicht.

Wer mich kennt weiß, dass ich Hunde und Menschen liebe aber nicht über alle Maßen dass sich jeder erlauben könne was er wolle und Hunde sind auch nicht immer der Mittelpunkt der Welt.

Um es mit einem Leserkommentar auf den Punkt zu bringen: „In diesem Sinne weiter so, der geneigte Hundefreund wird auch von einer Hundetrainerin das Wort Fußhupe als Scherz interpretieren können.“

Also wenn ich keine Witze mehr über Hunde machen darf, wer dann? 😉

 

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Chihuahua Fiffi Hund

Frau Schlauberger von der Hundewiese

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Wir kennen sie alle, wirklich alle. Frau Schlauberger, mit ihrem kleinen Fiffi , die naseweis über die Hundewiesen zieht und ungefragt Ratschläge und Schelte erteilt. Frau Schlauberger kann nur deshalb so blöd daher reden, weil sie meist einen sehr doofen Fiffi hat. Der sehr doofe Fiffi macht keinen Quatsch, rennt nicht weg und kläfft ein bisschen durch die Gegend. Klar ist es einfach, schlau daher zu reden, mit so einem Einfachhund!

So ging ich mit meiner Sunny im Geschirr an der Schleppleine in den Park, auf eine große Wiese um ein bisschen zu trainieren. So die üblichen Sachen, ein bisschen Stopp, ein bisschen „keine Vögel und Polizeipferde jagen“ und ein paar Hiiiiiiier „Nein, Du spielst jetzt nicht mit den anderen zehn Hunden“ Übungen. Gerade angekommen, Sunny noch nicht in ihrer besten Konzentrationsform, springt auch schon Frau Schlaubergers Fiffi um uns herum. Frau Schlauberger ruft von weitem: „Der tut nix, der will nur spielen!“

Ach nee, denk ich mir, eine die schlaue Sätze auf Lager hat, na ganz toll. Also flüstere ich zu Fiffi, dass er jetzt gefälligst abhauen soll – während Sunny fröhlich wie ein Reh an der Schleppleine herumhüpft. Schon steht Frau Schlauberger zehn Zentimeter vor meiner Nase und ich antworte: „Mein Hund möchte jetzt nicht spielen.“ „Das sieht aber nicht danach aus, dass IHR Hund NICHT spielen will.“ Erstaunt über soviel Hartnäckigkeit kontere ich: „ICH möchte jetzt aber nicht dass mein Hund spielt.“

Uuuuuhhhh, ganz falsche Ansage. Schon plätschert es auf mich ein, was ich denn für eine miese Hundehalterin sei, der arme Hund, das ist Tierquälerei, Hunde müssten schließlich miteinander spielen und KO MMU NI ZIIIEREN und überhaupt hat das mit der ganzen Schleppleine sowieso gar keinen Sinn, der Hund wüsste ja genau wann DIE wieder ab ist. Ah ja, dachte ich mir. Genau. Frau Schlauberger.

„So“, sage ich, „Sie nehmen jetzt mal Ihren Fiffi und gehen weiter und zwar wie die Jennifer – RASCH!“ Entsetzt schaut Frau Schlauberger mich an. „Ja hören Sie mal, wer sind Sie denn, das ist ja wirklich unerhört, kein Wunder dass Sie ihren Hund nicht erziehen können, schauen Sie sich doch an, total unausgelastet ist der Hund, wirklich wahr, Sie sollten mal in eine vernünftige Hundeschule gehen, ich kann ihnen da eine…“

Ich drehe mich um und gehe. Am nächsten Tag erzählt mir Nina mit ihrem Setter, sie habe gestern Frau Schlauberger getroffen. Die sagte zu Nina, sie wäre eine Tierquälerin weil sie ihren Hund nicht von der Leine gelassen hat. In der nächsten Stunde berichtete mir Steffi von einer Schlauberger, die ihr mal einen ordentlichen Vortrag über das richtige Zusammentreffen von Hunden an der Leine gehalten hat. Und Jens fand gar keine Worte mehr über das Referat „Hundefutter“, dass Frau Schlauberger aus dem Hut zauberte.

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Ach liebe Frau Schlauberger. Meine Kunden (Menschen, die zu mir ins Hundetraining kommen) und ich, treffen Sie beinahe jeden Tag. Und wirklich. ES NERVT. Kann man denn heutzutage seinen Hund nicht einfach mal so erziehen wie man das gerne möchte? Sollte man nicht die schlauen Ratschläge den Menschen überlassen, die dafür bezahlt werden und womöglich auch noch vom Fach sind? Könnte es vielleicht sein, Frau Schlauberger, dass mein Hund ganz anders ist als ihrer? Wissen Sie Frau Schlauberger, ich habe wirklich die Nase voll von Ihnen. Wenn Sie so viel wissen, schreiben Sie ein Buch, ein Blog oder gar Gute-Nacht-Geschichten, aber lassen Sie uns Hundehalter doch einfach in Ruhe. Wir brauchen Sie nicht. Es ist wirklich anstrengend dass ich meine Kunden dauernd über die Schlaubergers dieser Welt aufklären muss. Sie, meine liebe Frau Schlauberger, sorgen nämlich regelmäßig dafür, dass sich Hundehalter für ihre verantwortungsvolle Hundeerziehung rechtfertigen müssen. Und, Frau Schlauberger mit doofem Fiffi, es hat Sie nicht mal jemand nach ihrer Meinung gefragt. Also bitte, tun Sie mir den Gefallen und halten einfach mal den Schnabel, gehen mit ihrer Fußhupe weiter und genießen die Sonne. Vielen Dank! Die Hundetrainerin

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P.S.: Einfach an der Linie ausschneiden, in die Tasche stecken und der nächsten Frau Schlauberger/ dem Herrn Schlauberger in die Hand drücken. Mit freundlichen Grüßen 😉

Die Hundetrainerin
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Hyperaktive Hunde

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Heute möchte ich über ein Thema schreiben, dass mir seit Langem auf der Seele brennt. Denn „Sie haben einen hyperaktiven Hund“ hört man so gut wie nie von einem Hundetrainer. Oft heißt es, Ihr Hund ist nicht ausgelastet, Sie gehen zu wenig spazieren, Ihr Hund braucht mehr soziale Kontakte, Ihr Hund braucht eine besonders strenge Erziehung, und so weiter, und so weiter.

Das Thema „Hyperaktive Kinder“ ist ja in unserer Gesellschaft schon ein sehr heiß diskutiertes. Deshalb möchte ich ein bisschen auf das Thema „Hyperaktiver Hund“ eingehen denn es begleitet mich seit drei Jahren mit meiner Hündin Sunny privat sowie auch seit einiger Zeit intensiv im Hundetraining.

Woran erkenne ich einen hyperaktiven Hund?
Ihr Hund ist immer auf 300, kann sich schwer bis gar nicht konzentrieren, ist extrem schlank, nimmt nicht zu und ist bei allen Anstrengungen unerziehbar. Das kann sich in alle Richtungen auswirken. Dauerndes Bellen, unkontrolliertes Verhalten Artgenossen gegenüber, Ruhelosigkeit, offensichtlich „unkaputtbar“. Diese Hunde haben auch oft Probleme mit Futter und Magen-Darm.

Wie erziehe ich einen hyperaktiven Hund?
Einfache Antwort: Ganz anders. Mit hyperaktiven Hunden ist es immer ein Balanceakt. Deshalb ist es ganz schwierig darauf pauschal zu antworten. Moment, doch, einen Pauschaltipp habe ich für Sie! Sie sollten eine brillante Geduld und eine Menge Humor besitzen. Harte Erziehungsmethoden wie z.B. strafen, schreien, schlagen, ignorieren, unterdrücken, usw. sind völlig fehl am Platz und haben by the way auch sonst nichts in der Hundeerziehung verloren. Hyperaktive Hunde sind nun mal unkaputtbar, diese strengen Maßnahmen können sie nicht umsetzen. Sie müssen ihrem Stress freien Lauf lassen, deshalb sind diese Hunde auch nicht zu „deckeln“ oder zu „brechen“.  Ganz im Gegenteil, sie werden ihren Besitzer nur noch mehr zur Weißglut treiben.

Wichtig ist, dass Sie als Besitzer lernen, völlig ruhig zu bleiben, hierzu gehören die Kontrolle ihrer Gefühle sowie eine klare Körpersprache. Hyperaktive Hunde sind grundsensibel und sehr fein in ihrer Wahrnehmung. Eine falsche Handbewegung und der Hund spult fünf Dinge die er gelernt hat, gleichzeitig ab.

Die Erziehung eines hyperaktiven Hundes ist nicht einfach. Ich behaupte, es die Schwierigste von allen. Denn man braucht lange um die Balance zu finden und man muss gleichzeitig sehr an sich arbeiten. Denn eigentlich wünschen wir uns alle ja einen Hund, der schnell erzogen ist und mit dem man easy leben kann. Mit diesen Hunden ist aber alles anders. Man kann die ganzen Hundeerziehungsbücher in die Tonne treten. Leider auch 80% (wenn ich damit mal nicht untertreibe) der Trainer in Bezug auf „Hyperaktive Hunde“! Viel zu viele wollen nicht wahr haben dass es diese Hunde gibt und viel mehr haben einfach keine Erfahrung mit dieser Sorte Hund. Man kann aber nicht nur den Hundetrainern einen Vorwurf machen, sondern auch den Hundebesitzern, die einfach nur schnell schnell einen Erfolg sehen wollen. Das kann man vergessen.

Mit der Erziehung eines hyperaktiven Hundes muss man absolut open-minded sein, neue Wege gehen und oft rückwärts denken. Man muss verstehen wie so ein Hund die Welt wahrnimmt und wie schwer es ihm fällt sich zu konzentrieren. Das Gehirn braucht immer einen längeren Moment um umzuschalten und zu verarbeiten.

Wissen Sie, das Schöne an so einem hyperaktiven Hund ist, dass Ihnen die Chance gegeben wird, ein besserer Mensch zu sein. Denn diese Hunde verlangen einem manchmal alles ab. Demut, Misserfolg, fehlende Nerven und Geduld geben sich hier die Hand. Aber wenn Sie sich darauf einlassen, an sich zu arbeiten und lernen mit so einem Hund umzugehen, werden Sie noch viel mehr Freude an ihm haben als an einem „normalen“ Hund. Ein hyperaktiver Hund hält ihre Welt in Atem. Er liebt abgöttisch, ist absolut körperbetont und die Bindung zu seinem wohlwollenden Menschen ist wirklich unschlagbar.

Aber die reine Erziehung ist nicht alles. Hyperaktive Hunde müssen anders und sehr hochwertig ernährt werden, außerdem spielen Tryptophan und Serotonin eine wichtige Rolle! Die richtige Dosis an Ruhe und Action sind unheimlich wichtig sowie eine Menge Körperkontakt. Es ist wichtig zu wissen wie man das Gehirn schulen kann, z.B. sind Balanceübungen Gold wert.  Ich rate auf jeden Fall sehr von Bachblüten oder beruhigenden Medikamenten wie Psychopharmaka ab!!! Das ist der wirklich völlig falsche Ansatz bei diesen Hunden! Es gibt aber sehr wohl Zusatzmittel, die sehr sinnvoll sind und dem Hund helfen, sich ein bisschen von innen heraus zu entspannen. Auch Massagetechniken und z.B. Hundeschwimmen zur Auslastung können hilfreich sein, besonders bei jungen Hunden die aufgrund von Wachstum noch keinen Dauersport machen dürfen. Das sind nur wenige von zahlreichen Tipps zur Erziehung von hyperaktiven Hunden.

Mittlerweile kommen sehr viele hyperaktive Hunde mit ihren etwas ratlosen Menschen zu mir und nehmen auch an Kursen teil. Man kann bei diesem Thema gar nicht zu viel Know-how haben. Ich erlebe immer wieder, wie man um die Ecke denken muss. Hyperaktive Hunde schmeißen manchmal jede wissenschaftliche Erkenntnis über Bord. Und dann muss ich sehr lachen!!!

Wenn ich einen hyperaktiven Hund sehe, dann strahlt mein Herz. Sie stecken einen an, mit ihrer lebensbejahenden und verspielten Art. Zugegeben, es ist so oft so gar nicht einfach, aber jede Sekunde Geduld wird irgendwann belohnt. Mit sehr, sehr, sehr viel Liebe und Einfühlungsvermögen seitens des Hundes.

Dieser Blogeintrag ist nicht so lustig wie die anderen, das ist mir bewusst. Aber es ist mir einfach unheimlich wichtig, dass dieses Thema mal aufgegriffen wird, denn ich sehe in meinem Hundetraining, wie oft diese Hunde so falsch erzogen und ihre Hundehalter falsch beraten werden. Das ist sehr tragisch, denn mit dem richtigen Hundetraining können diese Zappelhunde wunderbare Weggefährten werden. Auch Sunny arbeitet mittlerweile erfolgreich als Trainingshund und es gibt zahlreiche hyperaktive Hunde, die eine tolle Karriere als Assistenzhunde hinlegen.

Für Interessierte gibt es auch Seminare und Workshops zum Thema „Hyperaktive Hunde“. Und natürlich Hundetraining 🙂 Da das Thema noch nicht vollends erforscht ist, suche ich immer wieder „Testhunde“. Melden Sie sich also gerne bei mir, wenn Sie solch ein exklusives Exemplar ihr Eigen nennen dürfen. 🙂

Die Hundetrainerin
Nathalie Örlecke

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Hyperaktiver Hund

Egoismus oder Treue?

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„Lena hatte genug von Sam, ihrem einjährigen Vizsla Rüden. Die Leinenführigkeit klappte nicht, sein Jagdtrieb war ausgeprägt und auch sonst schränkte sie der Hund mehr ein, als dass sie eine Freude in ihm erkennen konnte. So hatte sie sich das Leben mit Hund nicht vorgestellt. Lena meinte, klar, ein bisschen Erziehung muss schon sein, Sitz, Platz, Pfote aber dieser Hund sei einfach nicht erziehbar. Es würde doch auch bei allen anderen Leuten klappen, man geht in den Park, löst die Leine und spaziert seelenfriedlich durch die Welt. Lena hing meist beim Gassi an ihrem Handy und als dann der neue Freund und die neue Wohnung kam, passte der Hund nicht mehr. Sam musste „schweren Herzens“ weg. Da Lena auf die schnelle niemand finden konnte, brachte sie ihn ins Tierheim, das Leben mit Sam ging einfach nicht mehr…“

Die Frage, die ich mir an dieser Stelle immer wieder stelle ist, was denkt und fühlt ein Hund wie Sam, wenn ihm so etwas widerfährt? Ist Sam traurig? Wenn ja, wie lange? Vermisst er seine Besitzerin? Oder gibt er sich mit seiner Situation ab, gewöhnt sich an die Neue, denn Hauptsache es gibt etwas zu fressen, Aufmerksamkeit und Gassi?

Ist es moralisch überhaupt vertretbar seinen Hund abzugeben, weil Lebensumstände sich ändern? Ich meine, das hat man sich doch eigentlich mal vorher zu überlegen?! Und wenn ich umziehe, dann suche ich mir doch eine Wohnung, in der Hunde erlaubt sind, oder nicht? Und wenn mein neuer Freund keine Hunde mag, dann wird es nicht lange mein neuer Freund bleiben, richtig? Und wenn ich ein Kind bekomme, dann integriere ich den Hund, denn auch das wusste ich ja vorher, oder?

Es ist wirklich erstaunlich, dass viele Menschen nicht so denken. Für viele Menschen ist ein Hund eben ein Hund. Der Hund braucht einen Regenmantel? Quatsch. Ist doch ein Hund. Der Hund braucht ein gemütliches, warmes Körbchen? Schwachsinn, Decke langt, ist doch ein Hund. Teures, artgerechtes Futter? Ich kauf mir lieber Schuhe, ist doch nur ein Hund. Von Kosten für den Tierarzt, regelmäßige Checks oder wissenschaftlich fundiertes Hundetraining will ich hier gar nicht anfangen. Die Antwort ist immer dieselbe.

Da mir ein Hund die Frage nicht beantworten kann, wie er sich fühlt oder was er für einen „Schaden“ von so einem Menschen davon trägt, möchte ich gerne die Menschen fragen:
Wie lebst Du denn sonst so dein Leben? Was bedeutet für Dich Verantwortung? Kannst Du morgens noch in den Spiegel schauen, wenn du in einsamen Momenten mal deine Ausreden für Deine Entscheidungen abgelegt hast? Wieso gehst Du so mit einem Lebewesen um? Ist es für Dich weniger wert?

Ich glaube, hoffe, dass die Hunde, die von diesen Menschen weggegeben werden, froh sind, die Chance zu bekommen, einen vielleicht besseren Weg gehen zu dürfen.

„Dass mir der Hund das Liebste ist, sagst Du oh Mensch sei Sünde, doch der Hund bleibt mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.“

 

Die Hundetrainerin
Nathalie Örlecke

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