Geduld ist eine Tugend

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Da bin ich mal wieder. Im neunten Jahr als Hundetrainerin, passiert gar nicht mehr so viel neues. Die Hunde sind immer noch wild, ihre Besitzer wilder und andere Leute rauben einem wirklich oft die Nerven. Ich ruhe ja eigentlich nur dann in mir, wenn es um geduldige, konsequente, liebevolle Erziehung von Hunden und Pferden und sonstigen Tieren geht. Ich kann zum Beispiel so lange stehen bleiben, bis es auch der letzte Hund verstanden hat, dass er nicht an der Leine ziehen soll. Das macht mir nichts aus. Tut ja auch nicht weh.

Der normale Hundebesitzer macht mir da schon mehr Stress als der Hund. Geduld? Was ist das eigentlich noch mal? Gibt’s das auch auf Wikipedia? Tatsächlich. Die Fähigkeit zu warten wird dort als Geduld bezeichnet. Warten, das kann eigentlich so ziemlich keiner mehr. Wenn ich sage: „Jetzt warte mal bis der Hund das gewünschte Verhalten von selbst zeigt“, dann kommt Stress auf. Der fliegt mich jedes Mal richtig an. Mein Herz schlägt dann schneller, ich kann dem Kunden ja kein Päckchen Geduld geben damit er es leichter hat. „Ja jetzt warte halt einfach mal, ist doch wirklich nicht so schwer“, – würde ich gerne sagen, verkneif es mir aber oder versuche es im Rahmen meiner Möglichkeit freundlich und mit einem Lächeln zu säuseln. „So wird das nie was“, ist dann mein zweiter Gedanke, wenn Hundebesitzer nicht warten können. Aber der Hund soll das können. Und zwar sofort. Bleib ist eines der gefragtesten Kommandos. Ich frag mich oft wie der Hund das können soll, wenn sein Mensch diese Fähigkeit schon nicht besitzt.

Ich mache diese Übungen wirklich gerne und wundere mich immer wieder. Da sieht man die fehlende Leistungsbereitschaft des Menschen. Bleib jetzt einfach mal zehn Minuten kommentarlos neben deinem Hund stehen, schau ihn nicht an und beweg dich nicht. Ehrlich? Das schafft echt fast keiner. Beim Blick hört die Übung wieder auf, vielleicht liegt das an der Fähigkeit der Hunde, ihre Besitzer zu hypnotisieren. 😉

Überhaupt müssen die Leute überall hin gucken. Da kommt ein anderer Hund, anstarren – so bringt man das übrigens auch seinem eigenen Hund bei. Gerne mischen sich auch Menschen ein, die eigentlich mit der Sache gar nichts zu tun haben. Da trainiert man schweißtreibend mit seinem Hund, steht da und wartet dass Herr Kurzhaar sich nun auch endlich mal zwei Sekunden für einen interessiert und schon hat man Zuschauer. Ja was hat er denn, ja was machen Sie denn da, ja der ist ja süss, OH der muss aber noch viel lernen – nachdem die nicht zum Training eingeladene Person angesprungen wurde.

Viele verzweifelte Kunden mit sehr schönen Hunden kommen immer mit demselben Problem: Es kommen einfach Menschen auf sie zu und streicheln den Hund. Ich frag mich wie die das schaffen. Mir passiert das nie. Auf mich passt so der Spruch: Mein Hund tut nichts, das Frauchen schon. Ich glaube, ich würde jemanden anspringen der einfach meinen Hund streichelt. Geht’s eigentlich noch?
Jedenfalls frage ich die Kunden, wie sie das regeln. Sie sagen, sie würden die Menschen bitten, den Hund nicht zu streicheln. BITTEN??? Oh je, oh je, oh je. Spätestens dann würde ich meinen Kunden gerne einmal die Ohren lang ziehen. Wenn andere Grenzen überschreiten, ist für Höflichkeit nun wirklich kein Platz mehr. Statt bitten einfach mal laut schreien 😉

Menschen werden immer grenzenloser. Und dem muss man entgegen wirken. Ein scharfes NEIN, wenn jemand einen süßen Hund ansteuert, langt da. Ganz einfach. Was in der Hundeerziehung funktioniert, kommt auch bei Menschen an. Kurz, knapp und auf den Punkt. Ich übe das sogar mit meinen Kunden. Gibt’s ja nicht, dass der Hund irgendwann keine Menschen mehr mag, weil er von jedem Depp angetatscht wird. Wo kommen wir denn da hin? Über sowas kann ich mich den ganzen Tag aufregen. Und über schlechte Autofahrer. Oder Leute, die ihren Hund vor Geschäften anbinden. Nicht selten fragt man das sogar bei mir an, ob ich das trainieren würde. Der Hund soll schließlich sich nicht wehrend, still und leise, schutzlos vor dem Geschäft absitzen können. Bei meiner Antwort auf so eine schwachsinnige Frage werde ich allerdings auch ungeduldig.

Genauso ungeduldig werde ich bei Kunden, die ihren Hund noch mit alten Erziehungsmethoden erziehen wollen. Schnauze in Pippi tränken um Stubenreinheit zu lernen, Dinge nach Hunden werfen… Es gibt ja dann die und die. Die einen zeigen sich sehr einsichtig, wenn man ihnen erklärt das wir heute so viel weiter in der Lernpsychologie sind, dass wir auf solche Dinge getrost verzichten können. Die anderen wollen das aber so weiter machen, naja, weil die Familie das ja früher auch immer schon so gemacht hat. Da hört meine Geduld dann auch auf. Da bin ich raus. Bei so einer Scheiße mach ich einfach nicht mit. Das sage ich dann auch ziemlich deutlich. DU bekommst bei mir sicher NIE WIEDER einen Termin, wenn du deinem Welpen solche Dinge antust, die Verhaltensauffälligkeiten kannst du dann selbst ausbaden. So! Mein Wort zur Woche.

Und neben all diesen Dingen, gibt es sooo viele wundervolle Hundehalter die immer wieder den Weg zu mir finden. Ich liebe die Hunde, ich mag die Besitzer, die Hunde lieben mich, bei den Besitzern weiß ich das nie so genau, ist aber auch nicht so wichtig. Den Trainer muss man nicht immer mögen, Hauptsache, man geht gut mit seinem Tier um!! Das ist sowieso wirklich das Allerwichtigste für mich!!!

Und noch kurz zu uns: Allen gehts gut, Sunny am meisten (s. Foto) 😉

Eure Hundetrainerin
Nathalie

089dogs Hundetraining München
auf Facebook: https://www.facebook.com/089dogs

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Ein Gedanke zu „Geduld ist eine Tugend

  1. Schade, dass da so viele Kilometer zwischen München und hier liegen. Ich bin begeistert von deinen Beiträgen. Das wäre mal ein interessanter Unterricht.
    liebe Grüße
    Sandra und Aaron

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