Wachhund

5 Kommentare

Bei uns in der Wohnung wurde eingebrochen. Uns und unseren Hunden ist nichts passiert aber das Ganze ist so unschön, dass es mich zum Nachdenken gebracht hat. Wenn man sich mal hinsetzt und im Internet etliche Einbruchsberichte liest, dann fällt einem auf, das Hunde immer mehr zum Opfer werden statt ihren eigentlichen Job zu erledigen, und zwar den Einbrecher zu verjagen, wenn er denn mal kommt.

Tja, aber warum tun sie das eigentlich nicht mehr in der Form, wie wir uns das immer vorstellen? Dazu gibt es viele Antworten. Und auch Schuldige. Und zwar wir. Und unsere Gesellschaft.

Heutzutage haben wir ein klares Bild von Hundeerziehung. Der Hund soll nämlich am besten auf einer Decke auf dem Boden liegen und keinen Mucks von sich geben. Nicht bellen wenn sich im Hausflur was tut, nicht bellen wenn es klingelt, jedem Besuch fröhlich begegnen oder ihn wenigstens ignorieren. Man möchte gefallen, den Nachbarn, den Freunden und Eltern. Man wünscht sich den Vorzeigehund und wehe, er ist nicht so, wie man es suggeriert bekommt.

Unsere Hunde waren tolle Wachhunde und die hatten auch keine Verhaltensstörungen. Die Nachbarhunde auch nicht. Und die Hunde einen Ort weiter auch nicht. Sonst wurden Hunde nämlich eingeschläfert. Ohne Tam Tam und Tierschutzorganisationen die einen Hund retten wollen, der ein Kind angegriffen und schwer verletzt hat. Früher haben Hunde eine kurze Erziehung genossen und haben sich an uns angepasst. Da brauchte man kein Hoftor weil sie das Grundstück nicht verlassen haben und sie durften auch jeden anbellen. Ein Hund musste früher kein Everybody`s Darling sein, heute schon.

Heute muss ein Hund allen gefallen. Auch denen, die von Hunden gar keine Ahnung haben. Dem neuen Vermieter zum Beispiel. Wobei man schon Glück haben muss, wenn man mit einem Hund überhaupt eine Wohnung findet. Dabei könnte man sich eigentlich richtig glücklich schätzen ein paar Wachhunde im Haus zu haben. Aber auf unsere Wachhunde legt man heutzutage keinen Wert mehr weil sie sowieso nicht funktionieren. Man trainiert ihnen das ab. Damit alle glücklich sind. Die Rechnung bekommt man dann vielleicht mal. So wie wir. Dabei denke ich an die vielen, vielen Fälle, in denen ich gerufen wurde, damit der Hund lernt Besuch zu lieben und ansonsten den Schnabel zu halten. Früher waren Hunde eine Abschreckung für Diebe, heute sind sie das nicht mehr – was uns auch die Polizei bestätigte.

Wir trainieren unseren Hunden ihre Instinkte ab, wir binden sie an uns und zwingen sie, keine freien Entscheidungen mehr zu treffen. Sie hören auf Kommandos und bekommen ihr ganzes Leben dirigiert. Naja, da muss man sich ja nicht wundern wenn man nachts mal überfallen wird und der Hund daneben steht und nicht weiß was er tun soll. Freundlich sein? Abhauen? Vielleicht doch mal dazwischen gehen?

Hunde dürfen nicht mehr knurren und bellen. Denn dann gelten sie gleich als verhaltensgestört und unerzogen. Peinlich für das andere Ende der Leine. Und da ja jeder heutzutage ordentlich da stehen will, sorgt er dafür, dass sein Hund in das Bild der Gesellschaft passt. Bloß nicht auffallen und den Mund halten. Mitschwimmen.

In meinem Training lege ich großen Wert auf die Einzigartigkeit jeden Hundes. Sie DÜRFEN bellen und knurren, sich mitteilen. Bei mir gibt’s keine Maulsperre. Allerdings gehöre ich natürlich auch zu denen, die ihren Hunden schön beigebracht hat, in der Wohnung den Mund zu halten.

Da stellt sich ja die Frage, was richtig und was falsch ist. Natürlich kann ein Hund nicht ständig bellen. Aber er sollte auch nicht still zuhören wenn er besser warnen sollte. Es gilt also den Mittelweg zu finden. Immer wieder im Training beschweren sich Menschen darüber, dass ihre Hunde viel bellen. Naja, ein Hund bellt nun mal, die eine Rasse mehr, die andere weniger. Hunde haben aber immer einen Grund zu bellen. Sie kommunizieren. Man sollte ihnen lieber mal zuhören anstatt darüber hinweg zu gehen und beim Verhaltenstherapeuten auf der Gassiwiese zu landen.

Zurück zu den Einbrechern. Die waren ziemlich tierlieb. Glück für uns. Und irgendwie auch Glück für die, denn wer unseren Rhodesian Ridgeback Tequila kennt, der fragt sich sowieso, wie die das geschafft haben. Wir wissen es. Aber aus ermittlungstechnischen Gründen kann ich das an dieser Stelle nicht veröffentlichen. Fakt ist aber, wenn ich nicht immer die Oberaufpasserin wäre und meinen Hunden mehr ihrem Wachinstinkt folgen lassen würde, wäre es soweit vielleicht gar nicht gekommen. Dann hätten die schon losgegrölt bevor die Einbrecher sich was überlegen konnten. Und als ob es den Vierbeinern eine Lehre gewesen wäre, kommentieren sie jetzt alles. Jedes Knacken. Bin froh. Sonst könnte ich nicht mehr schlafen.

Wie wichtig es ist, dass der eigene Hund seinen Job macht, merkt man erst, wenn man mal erfahren hat, wie das aussieht, wenn er ihn nicht macht.

Knuddelt Eure Beller. Sie haben es verdient.

Eure Hundetrainerin
Nathalie

www.089dogs-hundetraining.de
auf Facebook: https://www.facebook.com/089dogs

Foto: Fotolia © lassedesignen

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5 Gedanken zu „Wachhund

  1. Wunderbar geschrieben.
    Ich unterschreibe das sofort und lasse unsere Tölen auch ab sofort alles anbellen, was sich unserem Grunstück nähert.
    Danke

  2. Wirklich gut geschrieben, Nathalie! Ich versuche einfach meinem Hund wenn er wachsam ist, „Entwarnung“ zu geben wenn alles gut ist, aber es nicht konkret abzuerziehen. In der Hoffnung, dass sie lernt, wenn ich kein Ok gebe, ist es auch in Ordnung, wachsam zu sein. Ich hoffe mein Hund versteht mich. 🙂

  3. Hallo, da wir in einem kleinen Dorf wohnen, in welchem die Staatsgrenze am Ortsende verläuft, laß ich meinen Hund bellen. sie hat ihr Revier: eingezäunter 3500qm Garten. Sie bellt schon sobald jemand die Straße entlang kommt- wenn jemand zu uns will, geh ich raus und sag ihr „aus“ dann darf sie den Besucher beschnüffeln und alles ist ok.Leider wurde in unserem Ort schon oft eingebrochen, wobei die Täter die Häuser wo sich Hunde befanden, ausgelassen haben. Meine Nachbarn stört das bellen nicht- hab extra gefragt, die Antwort: „wenn Dein Hund bellt, brauch ich keinen füttern“ . Über Nacht ist mein Hund aber im Haus, da bellt sie nur wenn die Türglocke oder ein frremdes Geräusch hörbar wird.
    lg Ingrid

  4. Hi, hoffe es kommt an ich lese Ihre Artikel immer gerne. Und kann Ihnen in diesem eigentlich nur zustimmen. Aber geht es nicht mehr um das Abschalten wenn´s dann bellt. Hier sehen ich unser Problem. Ich habe kein Stress damit wenn unsere Süßen bellen eher damit dass man es nicht kann abstellen und man den Besuch anschreien muss damit er einen versteht. ☹

  5. meine beiden leos sind ganztägig draussen !! sie haben ihr eigenes haus mit auslauf und wenn die beiden bellen , ist auch wirklich was nicht in ordnung !!!! entweder ist der fuchs da oder fremde !!!!!!! brauche also KEINEN alarm !!!!!!! ich liebe meine beiden aufpasser ❤

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