Vollblut Rüde sucht Vorbild Poser

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Es sollte ja nur so ein „Wellness-allein-ist-langweilig-dann-setz-ich-mich-halt-mal-aufs-Hottehü“ Urlaub werden. Aber dann habe ich mir leider den Pferdevirus eingefangen und seitdem beschäftige ich mich sehr intensiv mit den 600 kg Vierbeinern. Am Anfang war es mir gar nicht so bewusst, dass auch vier Hufe einen testen können. Und deshalb hat die eine oder andere Stute auch jegliche Grenze überschritten die sie finden konnte. Ist mir natürlich dann aufgefallen aber man muss ja nicht alles sofort kommentieren. Irgendwann machts dann halt im richtigen Moment KLATSCH und fertig. Dann ist die Sache gegessen. Zumindest bis die Stute wieder in irgendeine andere, komplizierte Phase kommt, die sie an anderen auslassen muss. Das weiß man nie so genau. Ist ja mit den Frauen nicht anders. Kennt man.

Irgendwann fing ich dann auch an Bücher zu lesen. Das Pferdepsychologiestudium noch dran zu hängen. Easy. Und vor ein paar Wochen stellte man mir auch noch freundlicherweise einen Hengst vor die Nase. Hengst, dachte ich, super. Kann ja nicht schlimmer werden als eine zwickende Stute. Ist es auch nicht. Hat aber jeder gesagt. Hengst, ooohhh, da musst du aufpassen, Sohn des Zeus.

Im Internet lese ich oft die Frage: Gibt es einen Unterschied zwischen Rüden und Hündin? Was soll ich mir zulegen? Also ich bin ja so der Rüdentyp. Auch eher so der Poser. Manchmal übermotiviert. Mein Rüde findet das gut. Schickt mich immer vor. Weiß genau was den anderen blüht wenn sie sich nicht benehmen. Der überlässt das mir. Lacht sich schon in die Pfote wenn irgendjemand meint uns belästigen zu müssen. Dreamteam. Und da fragte ich mich, wie schon so oft in acht Jahren: Gibt es bestimmte Hunde für bestimmte Menschen?

Ab und an kommen Hund und Halter ins Training und man weiß nach fünf Minuten: Ok, egal welche Tipps und Tricks ich Dir mitgeben werde. Es wird nie, nie, nie so richtig funktionieren. Weil Dein Hund nämlich einfach einen ganz anderen Charakter hat als Du. Stärker. So mehr der Poser. Du so mehr das Liebchen.

Was manche Trainer als das Wooohooo der mystischen Kraft in der Hundeerziehung verkaufen, ist übersetzt ganz einfach: Innere Stärke. Starkes Auftreten. Haben gar nicht so viele Menschen. Und viele Hunde sind auch nicht so dermaßen anpassungsfähig, dass sie über ihren starken Charakter hinwegspringen könnten. Aus Liebe zum Liebchen. Besonders grandios ist die Mischung: Unkastrierter Rüde, zu nettes Frauchen. Oder zu spät kastrierter Rüde und immer noch zu nettes Frauchen. Oder unkastrierter Rüde und sich beweisen müssendes Herrchen. Wenn beide zu viel Testosteron im Kopf haben, ist das auch schlecht. Ziemlich schlecht. Mit denen hat man nur Ärger.

Tieren mit ordentlich Hormoneinschuss und einem starken Charakter muss man entgegen treten können. Da muss ein HEY reichen. Viele Hundehalter brechen aber schon ein bevor sie überhaupt HEY rufen. Klappt eh nicht. Malen sich das bevorstehende Desaster im Kopf aus. Suchen schon nach Ausreden. Oder dem nächsten Baum hinter dem sie sich verstecken können damit man sie bloß nicht mit dem unerzogenen, hormongetriebenen Monster in Verbindung bringt. Klappt nie.

Bei Hengsten ist es so, dass jeder sofort empfiehlt, sich keinen Hengst zu halten. Schwere Haltungsbedingungen, immer lauert irgendwo Ärger, auch weil gerade andere Pferdehalter oft kein Benehmen oder keine Ahnung haben. Irgendwie kommt mir das ziemlich bekannt vor. Man sollte einigen Hundehaltern das mal mit Rüden verklickern. Mit einem Rüden kannst du ganz lange, ganz viel Ärger haben, und zwar wenn du ihm nicht von Anfang an die Grenzen aufweist und ihn erziehst. Das verpasst natürlich jeder zweite Hundehalter. Rüde. Ach was. Kriegen wir schon hin. Gerade in der Läufigkeitsphase der Hündinnen. Du, da kommt das unkastrierte Karlchen von drei Häuser weiter und bekommt vom eigenen Rambo erst mal so dermaßen eine auf den Sack weil es natürlich darum geht, wer hier die nächste Hündin begatten darf. Theoretisch. Da werden die Straße und das tägliche Auslaufgebiet zum selbsternannten Territorium. Und dann gibt’s da so mega Trainer. Die stellen Erziehung über Hormone. Alles eine Frage der Erziehung. Bekommt man schon hin. Klar. Am Arsch. Setzen, sechs.

Wenn das mit den Hormonen mal so einfach wäre. Könnten ja auch die Männer ihre Frauen einfach mal erziehen wenn die sich während bestimmter Phasen irgendwie komisch verhalten. Ich würde beratungsresistenten Hundebesitzern, die so ein hormongesteuertes Etwas durch die Gegend führen ja gerne für ein paar Wochen mal Testosteron injizieren. Mal sehen, was sie dann zu dem Thema „Wollen und Können“ sagen.

Es gibt natürlich auch Hengste und Rüden, an denen ist die Kelle mit dem Testosteron einfach vorbei gegangen. Da regt sich nichts und die haben auch keinen Bock auf diese ständigen Streitereien. Da kann man die Eier dran lassen. Macht keinen Sinn da was zu operieren. Aber die sind einfach die Ausnahme.

Und dann diese Kastrationsgegner. Bloß nicht kastrieren. Dein Hund ist zwar hyperaktiv, völlig banane, wird deshalb auch von allen Hunden verkloppt, steigt auf alles was kastriert oder unkastriert ist und verhält sich wie der letzte Depp. Mach(t) nichts. Das liegt bestimmt an tausend anderen Faktoren, weil wenn man das wissenschaftlich mal untersucht, dann hat das Testosteron gar keine Schuld, es ist deine scheiß Erziehung und außerdem bekommt er das falsche Futter. So schaut’s nämlich aus. Und jetzt quälst du Dich gefälligst noch die nächsten fünf Jahre mit zehn verschiedenen Trainern rum, bis auch Du endlich auf die Idee kommst, mal eventuell zumindest über einen Hormonchip nachzudenken. Muss ja nicht gleich schnipp schnapp sein. Gibt ja heute Möglichkeiten. Aber naja, dann kommen wieder die um die Ecke, die sagen, dass die Hunde von dem Hormonchip sterben. Sofort. Schlimmstenfalls danach nur noch auf drei Beinen gehen und die Hälfte des Gehirns vernichtet wurde.

Wie man es macht, ist es falsch. Man sollte sich halt aber mal vorher überlegen, ob man ein in sich ruhender, gerader Mensch ist, der nicht bei jedem kleinen Ärger innerlich zusammenkracht bevor man sich einen schicken Sportjagdhundrüden zulegt, der nie, nie, nie kastriert werden soll. Das macht nämlich in etwa so viel Sinn, wie sich einen Hubschrauber ohne Flugschein zu holen. Man kommt vielleicht irgendwie in die Luft aber fällt sicher schnell auf die Fresse. Und dann ist man unglücklich, traurig und verzweifelt. Zu Recht.

Und wer leidet wieder drunter? Der Hund. Der Hengst. Die Stute. Die Rüdin.

Drum prüfe, wen man sich ewig ans Bein bindet 😉

Eure Hundetrainerin
Nathalie

www.089dogs-hundetraining.de
auf Facebook: https://www.facebook.com/089dogs

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