Hyperaktiver Hund Teil 2

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Auf meinen ersten Beitrag über Hyperaktive Hunde habe ich viel Feedback bekommen und es erreichen mich immer wieder verzweifelte Mails und Anrufe von Hundehaltern, die einen Hyperaktiven Hund an ihrer Seite vermuten. Deshalb möchte ich noch mal auf das Thema eingehen und einige Fragen zu Hyperaktiven Hunden hier beantworten.

Welche Literatur ist für Hyperaktive Hunde empfehlenswert?

Es gibt drei Bücher, die ich wärmstens empfehlen kann, weil sie sich mit dem Thema aber auch mit Lösungsansätzen befassen und viele Tipps und Übungen bereithalten:

Hyperaktive Hunde von Maria Hense

Leben will gelernt sein von Birgit Laser und Wibke Hagemann

Zappelhunde von Inga Jung (ein Erfahrungsbericht)

Wie finde ich den richtigen Hundetrainer?

Eine gute Anlaufadresse für den Norden ist auf jeden Fall Inga Jung (http://www.hunde-verhaltensberatung.de), sie kennt auch einige Kollegen/innen, die in anderen Teilen Deutschlands weiterhelfen können. Ich selbst bin in München, also ein Ansprechpartner für den Süden (http://www.089dogs-hundetraining.de)

Wenn man das Gefühl hat, einen Hund zu haben, dem es schwer fällt sich zu konzentrieren, zu Gefühlsausbrüchen neigt (übertriebene Freude, übertriebene Aggressivität), der schwer zu Ruhe kommt und immer auf Empfang ist, dann sollte man von einem Hundetrainer Abstand halten der solche Sachen sagt:
„Ihr Hund ist nicht ausgelastet.“
„Ihr Hund hat keinen Respekt, der muss man richtig ran genommen werden.“
„Das ist alles eine Erziehungssache.“
„Sie haben ihren Hund nicht im Griff.“
… und viele mehr solcher Aussagen, die einfach irgendwie aus der Luft gegriffen sind.

Ein professioneller Hundetrainer oder Tierpsychologe wird Euch zuerst einmal zum Tierarzt schicken und einen gründlichen Gesundheitscheck verlangen.

Wichtig sind:
großes Blutbild
Schilddrüsenwerte (und hier langt nicht nur der T4 Wert, wie das viele Tierärzte gerne machen, sondern ein komplettes Profil, mehr dazu findet man z.B. hier: Subklinische Schilddrüsenunterfunktion bei Hunden)
Bauchspeicheldrüse
Urin- und Kotuntersuchung

Auch hier heißt es: Nur an einen kompetenten, erfahrenen Tierarzt wenden. Es gibt Tierärzte die sagen: „Der Hund ist nur jung, da kann gar nichts an der Schilddrüse sein“, usw, und wollen dann keine Blutuntersuchung machen. Bei solchen Aussagen sofort raus aus der Praxis. Wendet Euch an einen Tierarzt, der Erfahrung auf dem Gebiet hat oder zumindest offen für neue Dinge ist. Wie leider auch bei den Humanärzten, ist es schwierig, einen guten Tierarzt mit Erfahrung auf diesem Gebiet zu finden.

Des Weiteren ist es wichtig, den Bewegungsapparat untersuchen zu lassen. Gerade bei Hunden aus dem Ausland oder anfälligen Rassen, sollte man mindestens einmal geröntgt haben, um Schäden an der Hüfte oder den Gelenken auszuschließen, denn Hunde sind auch gerne aggressiv oder hyperaktiv, wenn sie Schmerzen haben.

Ich betone aus meiner Erfahrung heraus noch einmal deutlich, dass auch ein gesund aussehender Hund gesundheitliche Probleme haben kann. Hunde haben einen starken Überlebensinstinkt und zeigen Schmerzen erst deutlich, wenn es akut ist, und dann haben Sie den Salat als Hundehalter. Ein jährlicher Gesundheitscheck bei Tieren sollte ein MUST sein. Mir ist es immer noch unverständlich, wie man z.B. einen Hund aus dem Ausland haben kann, und noch nie ein Blutbild hat machen lassen.

Wichtig sind dann auch die Ergebnisse der Blutwerte.
Ich fasse meine Erfahrung an dieser Stelle als Hundetrainerin zusammen:

Bei jungen Hunden bis ca. vier Jahren zeigt sich die Schilddrüse oft im Normbereich mit leichten Abweichungen obwohl eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegt. Weicht der Wert also minimal ins untere Drittel ab, kann es schon sinnvoll sein, ein Medikament zu geben. Es gibt zwei mir bekannte Medikamente für die SDU: Forthyron und Euthyrox.

Bei meiner Hündin wurde die SDU ganz eindeutig im Blutbild mit vier Jahren festgestellt. Viel zu spät, wenn man bedenkt, dass durch eine SDU die nicht behandelt wird, weitere Krankheiten ausgelöst werden können, so z.B. eine Bauchspeicheldrüsenerkrankung.

Es gibt aber auch die Fälle, in denen der Hund eine Erkrankung hat und durch diese eine SDU entsteht. Deshalb ist es nicht ausreichend, einfach nur eine Schilddrüsenuntersuchung zu machen. Hunde die auffällig anders sind als Kandidaten im gleichen Alter der gleichen Rasse, müssen vor einem Training auf jeden Fall medizinisch auf links gedreht werden, auch wenn z.B. ein Deprivationssyndrom vorliegt. Gesundheitliche Geschichten müssen dringend ausgeschlossen werden können.

Aber ich möchte auch mal ganz klar betonen, dass nicht jeder aufgedrehte Hund gleich ein medizinisches Problem hat. Es standen schon Terrierbesitzer vor mir, die meinten, sie haben einen hyperaktiven Hund. Man erkennt das als Profi eigentlich recht schnell, ob der Hund einfach etwas aktiver ist oder ob eine wirkliche Hyperaktivität vorliegt. Jedenfalls kann man das nicht nach der ersten Trainingsstunde sagen. Ein professioneller Trainer wird sehr vorsichtig mit solchen Äußerungen sein und sich die Sachlage erst mal einige Zeit anschauen + den medizinischen Check abwarten. Es ist auch eine wichtige Frage, durch was Hyperaktivität ausgelöst wird. Bei Auslandshunden oder Hunden, dessen Züchter die Hunde nicht auf die Umwelt vorbereitet haben, in der sie leben sollen, ist es oft das Deprivationssyndrom (Defizite in der Gehirnstruktur durch reizarmes Aufwachsen), das eine Hyperaktivität auslöst. Die Hunde kommen absolut nicht mit ihrer Umwelt zurecht. Aber das ist ein anderes, sehr ausfüllendes Thema 😀

Wie ernähre ich einen Hyperaktiven Hund?

Die Antwort ist relativ einfach: Auf jeden Fall getreidefrei. Ich persönlich würde auch von Kartoffeln, Reis und weiteren Füllstoffen und Dickmachern abraten. Ein Fleisch – Gemüse – Obst – Mix hat bisher die besten Ergebnisse gebracht. Von einem Trockenfutter ist ebenso abzuraten, am besten fährt man mit hochwertigem Nassfutter (eine Sorte Fleisch und ein bis zwei weitere Komponenten z.B. zwei Gemüsesorten) und keinen Kräutern. Es ist auf proteinreiche Ernährung zu achten. Von Quark und Milchprodukten rate ich ab, da viele Hunde mittlerweile eine Laktoseintoleranz haben und Milchprodukte nicht vertragen.

Hyperaktive Hunde brauchen synthetische Zusatzstoffe und Kohlenhydrate außerhalb der normalen Fütterung. Die bekommen sie durch z.B. Leckerlis, die sie mindestens zwei Stunden nach der Fütterung bekommen sollten, damit das Tryptophan die Blut-Hirn-Schranke überwindet und Serotonin im Gehirn gebildet werden kann . Das eine passt natürlich gar nicht zu dem anderem, aber die Fütterung mit „gesunden“ Kohlenhydraten außerhalb des normalen Futters, hat einfach nicht so gut funktioniert, vor allem in Hinsicht auf die Laktoseintoleranz.

Ich schwanke nun mal vom Fitnesssport rüber zu sehr aktiven Powerhunden: Die kommen mit dem, was im normalen Futter ist, einfach nicht aus, vor allem wenn man ein hochwertiges Futter ohne synthetische Zusatzstoffe füttert. Deshalb müssen sie, wie Leistungssportler auch, zusätzlich Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente bekommen. Da wir die Hunde aber nicht mit Quark, Obst und Gemüse vollstopfen können (mögliche Probleme mit der Magensäure und dem Säure-Basen-Haushalt), ist die Wahl der synthetischen Ergänzungen, meiner Meinung, nach die beste. Ein guter (Leckerli)Lieferant um das Serotonin zu puschen (außerhalb der normalen Ernährung) sollte enthalten: Kohlenhydrate (z.B. Getreide), Proteine und Zusatzstoffe, z.B. anorganischen Stoffe die wichtig für Magensäure und Nervenzellen sind.

Wie lebe ich mit einem Hyperaktiven Hund ohne durchzudrehen?

Wenn man einen Hyperaktiven Hund hat, sollte man sich vor allem eins zulegen: Gute Nerven.
Die Erziehung eines solchen Hundes dauert mindestens doppelt so lange wie eine normale Hundeerziehung und dann geht es ein ganzes Hundeleben lang so weiter. Als Hundetrainer hat man es mit Kunden, die einen Hyperaktiven Hund haben, nicht einfach. Erfolge stellen sich nur sehr langsam ein und manches funktioniert auch erst gar nicht. Ich bin der Meinung, dass man das auch ohne Hundetrainer schaffen kann, wenn man sich an die Punkte aus diesem Beitrag hält. Die Bücher sind wirklich einfach geschrieben und erklärt, dazu noch einen guten Tierarzt an der Hand und das Verständnis, eben einen spezielleren Hund zu haben, als der Großteil der anderen Hundehalter.

Ich habe Hyperaktive Hunde schon durch viele Besitzerhände wandern sehen, sie erfordern ein hohes Maß an Geduld, Weitsicht, Humor und Verlässlichkeit. Es ist ja auch nicht so einfach, mit einem überdrehten Hund durch die Welt zu laufen und wegen diesem dauernd schief angeguckt zu werden. Sehen wir es mal so: Man trainiert ein furchtbar gutes Selbstbewusstsein und merkt, auf wenn man alles schei*** kann. Wie engstirnig die Leute sind. Wie überlaufen mit ihren Vorurteilen. Wie beschränkt im Hirn. Jeder Angriff von außen sollte Euch noch stärker mit Eurem Hund verbinden. Was wissen schon die Leute. Nicken, lächeln und weitergehen.

Eure Hundetrainerin
Nathalie

www.089dogs-hundetraining.de
auf Facebook: https://www.facebook.com/089dogs

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