Marla und das Glück auf Umwegen

2 Kommentare

Ich fuhr zur Hundepension und freute mich sehr Marla nach gut einem Jahr wiederzusehen. Ich würde sie jetzt abholen, eine Nacht bei mir behalten und dann in ihr neues Zuhause bringen.  Ich freute mich auf diesen lebhaften, fröhlichen, überaktiven Hund. Allen Interessenten am Telefon habe ich die Wochen davor schon gesagt, dass Marla sehr, sehr aktiv ist und viel Unsinn im Sinn hat. Lebhaft, immer dabei sein wollen, interessiert, die Nase überall, ein Hund, der am Leben teilhaben will, den man nicht abschieben kann ins Körbchen, ein Hund, der stark und eigenwillig und dabei so sanft ist.

Ich kam an der Hundepension an und wenn ich das schreibe, laufen schon wieder die Tränen. Die ganze Situation hatte mich natürlich schon schockiert. Ein Hund, der nach knapp vier Jahren von heute auf morgen schuldlos sein Zuhause verliert und letztlich im Tierheim landet, kann einem nur leid tun. Aber ich war guter Dinge, dass dieser quirlige Hund bald das richtige Zuhause findet.

Ich stieg aus. Machte den Kofferraum schon mal auf um das restliche Futter, die Spielsachen und sonstige Marladinge einzuräumen. Ich hatte mir überlegt, sie auf die Rückbank zu lassen, dort lag schon eine dicke, große Decke auf der sie es sich bequem machen konnte, rechnete aber erst mal mit einem hüpfenden Hund im Auto. Ich war voll vorbereitet auf eine Menge Marla.

Marla hüpfte mir entgegen und freute sich ungemein mich zu sehen. Oh ja, sie erkannte mich, juhuuu. Das war also schon mal geklärt. Sie musste nicht das Gefühl haben mit einem fremden Menschen mitzugehen. Sie war wild und aufgedreht und gar nicht ansprechbar, weinte und bellte. Ich wollte ihre Sachen ins Auto packen, nahm das Futter und… Und sonst nichts. Marla hatte ein Halsband um und eine dünne, fast zerfetzte Leine. Ich fragte noch mal nach ihren Sachen. Nichts. Keine Decke, kein Spielzeug, keine anderen Halsbänder oder Geschirre, keine ordentliche Leine, rein gar nichts. Marla wurde ohne alles vor die Tür gesetzt. Mich traf das sehr.

Marla sprang ins Auto, sah noch kurz hinaus und legte sich dann hin. Kein Weinen, kein Fiepen, kein Bellen. Sie sah sehr erschöpft aus. Die ganze Fahrt schaute ich immer wieder zu ihr, keine Regung. Mal ein tiefer trauriger Blick, das war`s. Zuhause angekommen freute sie sich sehr über Sunny. Sie spielten eine halbe Stunde, dann lagen sie zusammen gekuschelt da. Selbst Tequila, der Muffelhund, gesellte sich zu ihr. Es war so eine schreckliche Ruhe. Mir wurde es immer klarer. Marla war total fertig und erschüttert traurig.

Als Bettina und ich Marla aus dem Tierheim holten um sie in die Pension zu bringen, taten wir das auf unsere Kosten und aus dem Grund, weil mir theoretisch bewusst war, was ein Tierheim ohne persönliche, menschliche Ansprache für so einen hoch sensiblen Hund bedeutet. Theoretisch habe ich deswegen rational den besten Platz für sie gefunden und bin heute sehr froh, dass ich Marla vorher nicht gesehen habe. Mir brach es im Nachhinein absolut das Herz diesen Hund so zu sehen. Sie sah fast so aus, als hätte sie sich aufgegeben.

In der Nacht durften sie und Sunny im Bett schlafen. Marla hatte sich ein Spielzeug auserkoren, dass sie mit ins Bett nahm. Ich dachte, du armer Hund, natürlich darfst du dein Spielzeug hinschleppen wohin du willst, es gehört dir und es nimmt dir keiner mehr weg, egal wohin dich deine Wege führen. Mehrmals in der Nacht stupste sie mich mit der Schnauze an, freute sich wenn ich sie ansah und legte sich dann wieder auf mich. Ich konnte deshalb kaum schlafen, aber sie strahlte aus, dass sie das so sehr brauchte, wie Luft zum Atmen. Irgendwie will ich mir gar nicht ausmalen was sie so in dem letzten Jahr, in dem ich sie nicht gesehen habe, mitmachen musste.

Am nächsten Morgen konnten alle noch einmal miteinander spielen und dann ging es auf lange Reise zu dem neuen Marla Zuhause. Ich weinte die ganze Fahrt. Wie kann man ein Tier so zurichten und wie kann man es so gefühllos vor die Tür setzen und ist es jetzt überhaupt die richtige Entscheidung Marla in ein neues, ihr unbekanntes Zuhause zu bringen? Und haben wir das gut ausgesucht? Erträgt es dieser Hund, hat er Kraft genug und was wird eigentlich aus ihr?

Nach zwei Stunden bin ich schweren Herzens ohne Marla zurück nach Hause gefahren. Der Platz hinter meinem Sitz leer. Als ich aufstand und meine Jacke anzog, wollte sie wieder mit mir gehen. Es brach mir letztlich komplett das Herz. Diesen Hund nun zurück lassen zu müssen und nicht zu wissen was er sich denkt und was er fühlt. Ich konnte nur hoffen, dass wir das Richtige gemacht haben und für Marla alles gut wird. Und ich hoffte, dass sie sich nicht schon wieder verlassen fühlt. Sie sah mich so traurig an L

Als ich Zuhause war, hatte ich schon die ersten Fotos und Nachrichten auf dem Handy. Vorgestern, gestern und heute auch, viele Fotos, viele Berichte. Marla ist inzwischen sogar schon im Freilauf, wartet brav vor dem Kindergarten und geht am Kinderwagen Fuß. Sie spielt mit allen Hunden und ist sehr freundlich zu den Kindern. Sie hat am Tag alle Herzen und in der Nacht das Bett erobert. Es läuft also gut mit und für Marla.

Ich denke jede Minute an sie. Ich wünsche ihr, dass sie ihre Fröhlichkeit wieder findet und auch mal Unsinn machen darf. Ich bete für sie, dass sie ein schönes Leben hat und Menschen, die sie aufrichtig lieben, nämlich dafür, wie sie ist. Lebhaft, klug, charmant, gewitzt, anschmiegsam.

Ich passe auf Marla gut auf. So eine schreckliche Zeit wird Marla nie mehr erleben müssen! In Gedanken streichle und umarme ich sie hundert Mal am Tag. Lustiger Weise kommt dann immer Sunny zu mir. Soll noch mal einer sagen, Tiere wüssten nicht was wir fühlen und denken.

DANKE!!

An dieser Stelle möchte ich allen danken, die Bettina und mich unterstützt haben, damit dass ihr die Beiträge geteilt habt, damit dass ihr uns Geld für den Unterhalt von Marla gegeben habt. Ohne die Menschen, die uns geholfen haben, hätten wir die neue Familie für Marla, die wie die Faust aufs Auge passt, nicht so schnell gefunden.

Ich danke auch Bettina, ohne die Marla verloren gewesen wäre. Bettina und ich haben ab der ersten Sekunde, ohne uns zu kennen und obwohl wir sehr unterschiedliche Menschen sind, alles für Marla getan und absolut zu 100% an einem Strang gezogen. Uns war absolut klar wie ernst und wichtig die Sache war. Bettina hat sich immer wieder um Marla gekümmert und sie letztlich auch aus dem Tierheim geholt und  hunderte Kilometer entfernt in die Hundepension gebracht. Ich habe von ihr nicht einmal in dieser Zeit ein Stöhnen oder ähnliches gehört. Es müsste mehr Menschen von ihrer Sorte geben! Ohne Bettinas Hilfe wäre es für Marla sicher nicht so gut gelaufen!

Ein ganz großes Dankeschön geht auch an die Hundepension LA, die Marla ohne mit der Wimper zu zucken aufgenommen hat. Wir haben angerufen und konnten Marla ein paar Stunden später dort unterbringen weil es im Tierheim einfach kein Zustand für Marla war. Sie haben sich außerordentlich liebevoll um Marla gekümmert, dafür gesorgt dass sie viel Auslauf, Zuwendung, Spiel und Spaß hatte. Es ist absolut nicht selbstverständlich dass sich fremde Menschen so herzlich und bedingungslos um einen Hund kümmern, den sie gar nicht kennen.

Nun Marla, wir alle wünschen Dir, dass Du schnell vergisst und ab sofort nur noch glücklich bist in deinem Leben!!! Ich habe Dich so lieb gewonnen.

Du bist immer in meinem Herzen!!!

 
Deine Nathalie

P.S.: Ich hatte mal einen Blogbeitrag über Hunde geschrieben, die ihr Zuhause verlieren, und ich stehe mehr denn je dazu: Egoismus oder Treue?

 

FullSizeRenderimage2

Advertisements

2 Gedanken zu „Marla und das Glück auf Umwegen

  1. Das hast du so schön geschrieben dass ich auch weinen musste…
    Ihr habt das toll gemacht. Es müsste viel mehr Menschen wie euch geben. Dann wäre die Welt ein ganzes Stück besser…
    Marla wird es euch danken. Und zum Glück ist sie ein Hund… Denn Hunde haben ja bekanntlich den enormen Vorteil im Hier und Jetzt zu leben.
    Daher glaube ich dass die Maus dank Euch ganz schnell wieder ein Leben voller Freude und Lebenslust leben kann ❤
    Alles gute Marla und jetzt leb richtig los! 😉

  2. Ein bildschöner Hund. Und ein schöner Artikel. Ich bin ja nun ein Mann und sollte es mir eigentlich nicht leisten – aber bei so was laufen mir die Tränen auch über’s Gesicht. Unweigerlich.

Speak!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s