Fremdes Futter schmeckt immer am besten!

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Die Mehrzahl der Hundehalter kennt das Problem, der Hund frisst alles was er finden kann, besonders jetzt wo viel gerillt und gepicknickt wird und die Leute statt ihren Müll wegzuräumen, alles liegen lassen. Nicht nur Essenreste, sondern auch die Ausscheidungen von Hunden oder Menschen finden manche Hunde besonders lecker. Natürlich spricht keiner darüber.

Eine beliebte Frage im Hundetraining ist:  Wie kann ich meinem Hund abgewöhnen, alles vom Boden zu fressen?

Nun ja, es fängt bei der Grunderziehung an. Man sollte es dem Hund erst gar nicht angewöhnen.
Der erste fatale Fehler: Der Hund darf bei Suchspielen oder Erziehungsspielen Leckerlis vom Boden aufnehmen und fressen. Man bringt dem Hund also bei: „Such brav was am Boden liegt und dann friss es einfach auf.“ Oder man möchte dem Hund beibringen, nichts auf Kommando aufzunehmen, man legt also Leckerli auf den Boden, begrenzt es, bis der Hund nicht mehr unbedingt dran möchte und gibt es dann frei. Fragen Sie sich doch mal was der Hund dabei lernt: „Ich tu mal so als würde es mich nicht mehr interessieren und dann bekomm ich es.“ VOM BODEN.

Um einem Hund von vornherein beizubringen dass er nichts vom Boden nehmen darf, bietet man ihm auch nichts vom Boden an. Keine Suchspiele, keine Leckerli Übungen am Boden. Stattdessen legen Sie ein Leckerli auf den Boden, geben es NIE frei und füttern den Hund zur Belohnung aus der Hand aber niemals wird er das Leckerli vom Boden bekommen. Also heben Sie jetzt bitte nicht das Leckerli vom Boden auf um es in der nächsten Sekunde dem Hund zu überreichen ;o) Ein netter Nebeneffekt ist, dass der Hund ihnen erst Aufmerksamkeit schenken und sich in Geduld üben muss, bevor er belohnt wird, andernfalls sind Sie einfach nur die Futterwurfmaschine.

Wirklich keine Suchspiele mehr? Tja, wir haben sie im Hundetraining jahrelang praktiziert, die Suchspiele um den Hund ein bisschen zu beschäftigen und die Nase arbeiten zu lassen. Suchspiele sind auch vollkommen in Ordnung, wenn man die Leckerli auf dem Boden weglässt. Stecken Sie z.B. Leckerlis in die Baumrinde, denn Hunde sind außerordentliche Meister in der „Höhensuche“. Verstecken Sie ein Bringsel, ein Dummy, nur nichts Essbares. Belohnt wird der Hund NUR aus ihrer Hand! Ich kenne Hunde, denen kann man haufenweise ohne Vorankündigung Leckerlis vor die Pfoten werfen. Sie nehmen es nicht. Was auf dem Boden liegt ist ganz schön iiihhh bääähhh.

Die nächste Übung ist, dem Hund beizubringen, auf Kommando etwas „auszuspucken“ und ihn hierfür zu belohnen. Am besten Sie präparieren VOR dem gemeinsamen Spaziergang einen Lecker-Schmecker-Pfad. Ein großes Stück Fleischwurst, eine Bananenschale mit etwas Inhalt, ein Stück Brezen… alles muss so groß sein, dass es nicht gleich schluckbar für den Hund ist. Nun gehen Sie los. Der Hund steuert fröhlich auf das Nasenerlebnis zu, nimmt es auf und blitzschnell holen Sie es wieder mit einem Kommando auf dem Maul. Etwa: „AUS“. Diese Übung dauert eine Weile, ist aber ziemlich effektiv. Ihrem Hund ist das ziemlich unangenehm, wenn Sie ihm etwas aus seinem Maul holen, nach einiger Zeit wird er es bei dem Kommando „AUS“ von selbst ausspucken.

Jetzt sagen Sie vielleicht: Aber das kann man doch auch mit Tauschen lernen, so steht das in allen Hundeerziehungsbüchern. Lieber Hundehalter, das ist richtig, und Tauschspiele mit Spielzeug und Knochen sind auch sehr sinnvoll aber  tauschen Sie mal ein leckeres Stück Fleischwurst gegen etwas anderes. Glauben Sie mir, im Ernstfall schluckt ihr Pfiffi den Giftköder schneller als Sie tauschen können. Also Maul auf, Hand rein, raus holen. Wenn Sie diese Übung durchführen, so reißen Sie bitte nicht an dem Maul ihres Hundes herum, das Maul kann man mit zwei Fingern locker öffnen. Sie sollen nicht grob und böse sein, aber auf jeden Fall überzeugt dass das jetzt nichts im Maul ihres Hundes zu suchen hat.

Machen Sie diese Übung nicht, wenn Sie Angst vor dem Maul oder den Zähnen ihres Hundes haben. Suchen Sie sich dann besser einen kompetenten Hundetrainer der Ihnen die Angst vor dem Maul ihres Hundes nimmt. Schnappt ihr Hund nach Ihnen, ist es sowieso höchste Zeit, sich professionelle Hilfe zu holen. Ein Hund muss sich jederzeit überall  von seinem Halter anfassen lassen können!

Ein weiterer Fehler der oft begangen wird: Der Hund steuert auf etwas am Boden liegendes zu und was macht der übereifrige Hundehalter? Kräftig an der Leine ziehen. Was denken Sie, lernt ihr Hund? Der lernt nur: „Warte nur wenn ich im Freilauf bin.“ Das Zurückziehen an der Leine hat in keinen Situationen einen Lerneffekt. Lassen Sie Ihren Hund zum Diebesgut hin, sagen Sie jetzt entweder PFUI (und der Hund ist so gut trainiert dass er sofort abdreht) oder Sie machen was? Richtig, Sie holen es aus dem Maul. Wobei ich Ihnen in dieser Situation raten würde, es zum Aufnehmen gar nicht erst kommen zu lassen. Sagen Sie PFUI, stellen ihren Fuß auf das Zielobjekt ihres Hundes und sobald der Hund auf Sie reagiert (z.B. Sie entrüstet anschaut), bieten Sie ihm zur Belohnung ein feines Stück Wienerle an. Fangen Sie erst gar nicht damit an, den Hund mit Trockenfutter belohnen zu wollen. Denn was liegt auf unseren Wegen und Wiesen? Nur leckeres Zeug. Dagegen müssen Sie auf jeden Fall „anstinken“, der Hund sollte mit etwas belohnt werden was richtig toll riecht und was er sonst nie bekommt. Mit etwas Übung wird der Hund bei dem Wort „Pfui“ abdrehen, drum herum gehen und statt es aufzunehmen, zu Ihnen kommen. Vergessen sie jetzt bitte nicht KRÄFTIG ZU LOBEN! FEIIIIIN!

Eine gute Beobachtungsgabe ist ebenso wichtig. Wenn Sie mit Freunden einen Plausch halten wollen oder auf dem Gassigang lieber telefonieren wundern Sie sich bitte nicht, wenn ihr Hund seinen eigenen Freizeitaktivitäten nachgeht. Sollten Sie also keine Zeit und/oder keine Lust haben, den Aufpasser für ihren Hund zu spielen, nehmen Sie ihn an die Leine. Gehen Sie dann NICHT zu einem Hundetrainer und beklagen sich darüber, dass ihr Hund nicht hört. Es ist ihre Aufgabe, an den zwei, drei Gassigängen am Tag, IHREM Hund volle Aufmerksamkeit zu schenken. Dann kommt er auch auf weniger Dummheiten denn ihr Hund ist ja ein Schlauer. Der weiß genau wann er sich auf die Suche begeben kann. Es ist ihnen zu anstrengend, dauernd nach ihrem Hund zu schauen, sich mit ihm zu beschäftigen, Freude mit ihm zu haben? Oh, oh, Sie sollten sich wirklich mal Gedanken darüber machen, was es bedeutet einen Hund zu haben und was der wiederum für Bedürfnisse hat. Stellen Sie sich vor, Sie gehen mit einem kleinen Kind spazieren, würden Sie von dem erwarten (können), dass es brav stundenlang einfach so neben Ihnen herläuft? Vergessen Sie nicht. Hunde werden nie erwachsen. Sie werden älter, aber was sie nicht gelernt haben, kommt auch mit dem Alter nicht. Die Erziehungszeit eines Hundes dauert ewig.

Suchverhalten sehen Sie immer frühzeitig an der Nase, an den Ohren, an dem Blick und an der Atmung. Sobald der Hund etwas in der Nase hat – ABRUFEN. Sofort und ohne Diskussion. Dafür muss er natürlich abrufbar sein, und zwar in jeder Situation. Das kann man seinem Hund beibringen und das ist von allen Tricks und Tipps das Sinnvollste. Wenn Sie ihren Hund rufen, dann soll er kommen. Punkt. Da gibt’s gar keine Diskussion, selbst wenn der Schweinbraten frisch angerichtet vorbei fliegt. Kommt er nicht, haben Sie zu wenig geübt. Dann suchen Sie sich am besten einen guten Hundetrainer/ eine gute Hundetrainerin und arbeiten am Grundgehorsam des Hundes und an ihrer Geduld und ihrer Aufmerksamkeit. Es dauert ein bisschen, bis man seinen eigenen Hund lesen lernt, ein professioneller Hundetrainer kann ihnen die Zeit voll demütigen Lernens verkürzen und ihnen zeigen, was Ihr Hund wann im Sinn hat. Ich höre oft: „Der hört immer, nur wenn`s um Futter geht, nicht.“ Antwort: Sie haben zu wenig geübt. Es gibt verschiedene Level beim Abrufen (ohne Ablenkung, mittlere Ablenkung, große Ablenkung, Superablenkung) Die meisten Hundehalter sind mit mittlerer Ablenkung zufrieden. Ab da sind dann alle anderen Faktoren schuld, denn normalerweise hört der Hund ja 😉

In diesem Sinne, üben, üben, üben, dann klappt`s auch mit dem Allesfresser.

Herzlichst, Ihre Hundetrainerin
Nathalie Örlecke

Hundetrainer München

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