Macht in der Hundeerziehung

4 Kommentare

Bei 089dogs gab`s in den letzten Wochen ja eine tolle Aktion: Wir haben alle Bücher raus geschmissen, die wir nicht mehr brauchen. Darunter fielen mir auch zwei Bücher in die Hand, die ich mir zwar mal gekauft, aber nie gelesen hatte. Na und bevor man einfach ungelesene Bücher verschenkt, wirft man noch mal einen Blick rein… Dadurch bleiben sie mir nun auf ewig erhalten.

Ein Satz aus den Büchern, der mich seit Wochen zum Nachdenken und Analysieren anregt, ist dieser hier:
 Hunde reagieren auf Menschen mit großer Macht.

Nachdem ich lange darüber nachgedacht habe, bin ich zu dem Schluss gekommen: Ja, das stimmt.
Macht kann man auch gleichsetzen mit Führungsqualitäten und Intelligenz. Einen intelligenten Hund kann man nur führen, wenn man selbst noch intelligenter ist, einen charakterstarken Hund nur dann, wenn man selbst stark, mutig und entschlossen ist. Nun treffen sich aber manchmal ein Mensch, der vielleicht nicht so durchsetzungsstark ist und ein Hund, der auf jeden Fall weiß was er will und das auch durchzusetzen versucht. PAM. Da knallen zwei ganz unterschiedliche Seelen aufeinander und die landen nach einer anstrengenden Zeit des Nichtverstehens dann bei mir.
In so einem Fall ist es nicht meine Aufgabe, dem Hund etwas beizubringen oder dem Menschen eine Technik zu lehren. Nein. Ich lehre den Menschen selbstbewusst zu sein, sein Auftreten zu verändern, Macht in seine Worte zu stecken. Ein Mensch der mit hängenden Schultern ein Neinchen säuselt, wird kaum von seinem Hund ernstgenommen. Ein Mensch, der seinen springenden Hund immer nur leicht wegschubst, erntet höchstens noch zehn weitere Sprünge. Macht bedeutet: Das was ich sage, gilt. Keine Diskussionen.

Ein Leitsatz in meinem Hundetraining: Keine Diskussionen mit dem Hund! Möchte ich, dass der Hund auf seinem Platz bleibt, dann mache ich ihm das unmissverständlich klar. Dazu muss ich ihn nicht mal anfassen. Ich lege meine Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit das jetzt durchzusetzen in meine Worte, Stimme und Körpersprache. Der Hund merkt ganz genau wenn etwas ernst gemeint ist. Manchmal, wenn Tequila nicht auf eine Aufforderung reagiert, sondern mit offenem Maul lachend da steht und Faxen macht, dann kann ich noch so oft meine Aufforderung wiederholen, er wird es nicht tun weil ich mich innerlich köstlich über ihn amüsiere. Menschen, die enttäuscht von ihrem Hund sind, ihrem Hund nicht vertrauen und den Glauben verloren haben, können mit ihrem Hund nicht mehr arbeiten. Diesen Fall habe ich oft. Und es ist wirklich nicht einfach, einem Menschen zu vermitteln, dass er stark sein muss. Er muss für seinen Hund eine innere Einstellung ändern.

Den Hundetrainer braucht man sowieso eigentlich selten für die Technik.
Viel mehr um herauszufinden: Was habe ich da eigentlich für einen Hund? Wie darf ich mich wann dem Hund gegenüber verhalten? Darf ich bestrafen und wenn ja, wie?
Dazu merke man sich: Hundeerziehung ist vor allem intuitiv! Der Hund versteht menschliche Gefühle, die ehrlich sind, besser als jedes Kommando!
Tequila hat ganz am Anfang mal meinen Lieblingsschuh zerstört, als ich gerade mal zehn Minuten nicht im Haus war. Als ich zurück kam, nagte er noch genüsslich daran. Ich setze mich einfach vor ihn, heulte und fragte ihn, warum er das gemacht habe. Er hat danach nie wieder einen meiner Schuhe zerstört.
Tequila hat mich auch mal vom Fahrrad geworfen, weil er gegen mein NEIN ein Eichhörnchen jagen wollte (ich weiß, ich weiß, wieso passiert das wieder der Hundetrainerin? Na weil die Hundetrainerin so blöd war und die Leine ums Handgelenk gebunden hat 😉 ) Ich lag also samt Hund und Fahrrad auf dem Asphalt und hab mal wieder geheult – diesmal vor Schmerzen. Er hat nie wieder ein Eichhörnchen gejagt und läuft toll neben dem Fahrrad.

Was lernen wir daraus: Man kann auch dem Menschen Schmerzen zufügen damit der Hund lernt  😉 Nein, natürlich nicht. Hunde sind einfach intelligente Tiere. Wahre Gefühle sind verständlicher als auswendig gelernte Kommandos.

Hunde erkennen Machtmenschen und Hunde erkennen auch, was man für Gefühle hat. Hunde spiegeln unser Unterbewusstsein. Nur wenn man bereit ist, sich selbst zu reflektieren und vor allem an sich zu arbeiten, kann man Probleme in der Hundeerziehung angehen. Ansonsten ist es einfach nur das Leid für den Hund.

Ich hoffe, dass die Menschen in Zukunft auf die Hundetrainer verzichten, die nur die Hunde umerziehen wollen, egal mit welchen Mitteln. Letztlich ist es die Aufgabe eines Trainers, den Menschen an den Charakter und die Bedürfnisse seines Hundes anzupassen!

Die Hundetrainerin
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Hundetrainer 089dogs

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4 Gedanken zu „Macht in der Hundeerziehung

  1. Sehr treffend 🙂 ich bin wie immer begeistert. Und genau deswegen bin ich überzeugt davon dass jeder genau den Hund bekommt den er braucht und verdient… Um sich selbst weiter zu entwickeln… 😉

  2. Genau das ist der Punkt! Die meisten Hundebesitzer glauben leider immer noch, dass allein der Hund zu lernen und üben hat. Sie haben absolut keine Ahnung, dass SIE es sind, die trainiert werden müssen, die lernen müssen ihren Hund zu „lesen“, die lernen müssen adäquat und hundgerecht zu agieren. Sie gehen zum Hundetrainer und sagen „Mein Hund macht dies und das falsch“, „Mein Hund hat dies und jenes Problem“ bla bla bla. Falsch machen tun aber immer nur die Besitzer etwas und auch die Probleme haben nur sie. Ein Hund der knurrt reagiert genau so auf gewisse Reize, wie es ihm seine Natur vorgibt. Es ist absolut nichts falsch daran. Die Aufgabe des Besitzers ist es, auch schon kleine Zeichen zu erkennen und darauf folgerichtig zu reagieren, damit es nicht zu „Problemen“ im menschlichen Zusammenleben kommt. Der Hund agiert und reagiert in jedem Falle nur seiner Natur entsprechend.

  3. Erinnert mich an einen Bericht, den ich vor einigen Jahren gelesen habe über Managerseminare, die beim Hundetrainer stattfinden. Durch die Arbeit mit den Hunden soll die Körpersprache so beeinflusst werden, dass die Führungskräfte macht ausstrahlen. ich frage mich, ob man das auch in der Psychotherapie verwenden kann.

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