Bitte geh noch nicht in den Himmel…

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„Und wird dein Kopf dir irgendwann zu eng und trübe – Und du willst, dass der Regen sich verdrückt,
färbe ich sie ein, deine schrägen Schübe, du bist alles in allem, was bist du nicht… (aus Herbert Grönemeyer – Glück)

Meinen Rhodesian Ridgeback Tequila habe ich in den letzten drei Jahren schon zwei Mal nah an der Grenze zum Himmel gesehen. Einmal war er schon nicht mal mehr ansprechbar und einmal wurde er von einem Bus angefahren. Er ist wohl mit Schutzengeln gesegnet oder, wie meine Freundin sagen würde, seine Seele will noch ein bisschen bleiben.

In meinem Leben habe ich schon einige unserer Tiere begraben, nie hat es mich so richtig richtig getroffen da ich mich mit dem Tod eigentlich nicht so gerne auseinander setze, aber wer tut das schon. Als Kind ist man da sowieso ein bisschen „anders“. Ich traf mal einen kleinen Jungen mit seinem unerzogenen Hund im Park und er erzählte mir, dass „Charlie“ sein zweiter Hund wäre. Ich fragte ihn, was denn mit dem ersten Hund passiert ist. Er sagte, sie hätten den Hund im Auto gelassen, es wurde zu heiß und der Hund sei dann gestorben. Er erzählte das so, als wäre es überhaupt nicht dramatisch. Jetzt ist ja ein neuer Hund da. Und der hat auch schon die Oma gebissen, aber da sei die Oma selbst dran schuld, sie habe sich eben dem Hund gegenüber falsch verhalten. Kinder sind halt schmerzfrei. Und die Eltern wohl ein bisschen gehirnfrei!

Wenn man mit seinem Hund nah an der Schwelle zwischen Leben und Tod steht, dann dreht man selbst ein bisschen durch. Überall steht geschrieben, dass man ruhig bleiben soll, dem Tier zuliebe, Kraft geben, Liebe, damit das Tier in Frieden einschlafen kann. Das funktioniert nicht und ich bin sicher, jedes Tier wird das verstehen. Wenn ich daran denke, dass es meinen Seelenhund nicht mehr geben könnte, dann kommen mir jetzt schon die Tränen. Ich habe Freundinnen dieses Jahr erlebt die so bitterlich über den Verlust ihres Tieres geweint haben… Ich kann das total nachvollziehen. Da hilft auch eigentlich kein tröstendes Wort und deshalb halte ich mich persönlich mit solchen Worten zurück und bin einfach nur da. Der Schmerz, sein geliebtes Tier zu verlieren, tut einfach verdammt weh. Durch Weinen baut man Schmerz ab, es fällt Druck von einem, man lässt Gefühle zu, es erleichtert mit der Zeit – also ist Weinen über den Schmerz total legitim!

Einen Seelenhund, wie ich Hunde mit Charakter und dem gewissen „Blick“ nenne, verliert man nie. Sie kommen immer wieder. Irgendwann ist einfach der Körper zu schwach und antriebslos aber die Seele bleibt solange wie es nötig ist. Einige berichten mir, dass sie meist das Gefühl haben, dass ihr Tier im Raum ist, neben einem steht oder bei einem liegt, obwohl es körperlich nicht anwesend ist…

Viele denken wahrscheinlich, so ein Blödsinn mit dem Seelengedöns. Das mag sein. Aber etwas Höheres im Geiste kann man den meisten Hunden und Katzen einfach nicht absprechen.

Wie man es dreht und wendet, was man auch immer für sich denkt, wie man die Dinge sieht, ob man an Seelen glaubt oder nicht… Es ist nicht einfach ein Tier gehen zu lassen. Es ist überaus traurig seinen Freund zu verlieren, seinen Seelenheiler, sein Glück, seine Liebe. Wer freut sich wenn man nach Hause kommt, wer kuschelt sich zu einem, wer tröstet einen jetzt? Da sitzt man plötzlich allein. Kein Gassi, kein Spiel, keine Wärme, kein Atmen mehr…Es ist leer. Bedrückend leise und leer.

Ich für meinen Teil habe zum ersten Mal meine EIGENEN Hunde. Das ist ein anderes Gefühl als die Familien- und Pflegetiere mit denen man aufgewachsen ist. Eine andere Bindung und Verantwortung. Ein anderes tiefes Gefühl. Ein Gefühl dass sich tief ins Herz bohrt. Ein Gefühl dass mir den Hals zuschnürt und mir die Luft nimmt sobald ich darüber nachdenke, was wäre wenn… Was wäre wenn mein bester Freund nicht mehr da ist… Was wäre wenn ein Teil des Alltags einfach nicht mehr vorhanden ist…

Früher habe ich die Menschen verurteilt, die sich so schnell nach einem Verlust wieder einen Hund geholt haben. Heute kann ich das durchaus nachvollziehen. Man sollte sich Zeit für Trauer geben und dem neuen Hund eine neue Chance. Der neue Hund ist nämlich nicht der Alte und ob die Seele wiederkommt, das ist leider nicht gesagt. Ein neuer Hund hat ein Recht darauf, seinen eigenen Platz einzunehmen und zu bestimmen. Ich bin total dafür, alles was an den alten Hund erinnert, in eine Kiste zu packen und zu verstauen und neu anzufangen. Man sollte Seelen freigeben und sich nicht unnötig mit Erinnerungen quälen wenn man neu beginnt! So ist das doch mit allen Seelen die man gehen lässt…

Ich wünsche mir, dass meine Hunde ganz alt werden. So 40 wäre toll. Ich bete jeden Tag, dass ich noch einen langen Weg mit ihnen habe, bis ich an dem Punkt stehe, stark zu sein und meinen Tieren den Frieden zu geben, den sie verdienen. Ich befürchte, die Kraft werde ich nie haben. Und ich wünsche mir Freunde, die keine tröstenden Worte haben sondern einfach nur da sind!

Die Hundetrainerin
089dogs Hundetraining auf Facebook: 089dogs Facebook

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7 Gedanken zu „Bitte geh noch nicht in den Himmel…

  1. Ich kann, wie so oft bei deinen Beiträgen, sehr gut nachvoll ziehen was du meinst. Ich habe leider innerhalb des letzten Jahres meine beiden Katzen, die 15 Jahre an meiner Seite waren, einschläfern lassen müssen. Und ich vermisse sie jeden Tag. Selbst jetzt, wo ein neuer vierbeiniger Wildfang, meine Mischlingshündin Leni, eingezogen ist habe ich noch das Gefühl das hier was fehlt.
    Und manchmal könnte ich wetten, das sie trotzdem irgendiwe hier sind.
    Gruß Roland

  2. So ein nachdenklicher, wunderbarer und menschlicher Blog-Eintrag! Deine Offenheit zeigt die Verletzlichkeit, die der Preis ist für die Liebe die uns mit unseren Vierbeinern verbindet. Das kostet vielleicht anfangs Überwindung, und man glaubt sich vielleicht dem Ganzen nicht gewachsen. Und dann man erlebt man, wie ein Frauchen voller Panik kreischt, wenn die quirlige Junghündin Richtung Strasse saust und alle Vorbehalte sind vom Tisch gefegt. Bei mir schleicht sich der Eindruck ein, dass du eigentlich auf dem besten Weg bist, zwei Seelenhunde in deinem Leben zu haben ;)))

  3. Hallo, wir habe letztes Jahr unsere Beagle-Dame durch ein Unfall verloren, sie ist mit jungen 3 1/2 Jahren von uns gegangen. Wir waren in tiefer Trauer, aber abld war uns klar es muss ein neuer Hund her, wir haben gesucht und gefunden. Wir haben uns für eine Border Collie Hündin entschieden. Meine Frau hatte angst dass sie, wenn wir einen Beagel nehmen dass Sie die Hunde zu sehr vergleicht. Wir haben alle sachen, Leine, Halsband und sogar Ihre spielsachen in eine Box gepackt und erstmal in den Keller gestellt. Für die BC Hündin haben wir dann alles neu gekauft.

  4. Hallo,
    ein sehr herzlicher und einfühlsamer Blog-Beitrag. Es ist immer schwer sich von einem langjährigen Weggefährten trennen zu müssen! Für mich war es letztes Jahr so weit, nach 14 Jahren! Ich wünsch dir alles Gute!

  5. Vor ein paar Jahren waren mir Hunde ziemlich egal. Tiere halt. So wie Katzen oder Hamster. Doch dann lernte ich einen Hund kennen, der mich sofort als Rudelführer anerkannt hat. Der gleich bei unserem ersten Zusammentreffen seinen Kopf auf mein Knie legte. Kommentar der Besitzerin:
    „das hat er noch nie gemacht..!“

    Und es gab jedesmal ein großes freudiges Begrüßen, wenn wir uns ab und an getroffen haben. Ende Sept. 2011 ist er leider verstorben. Noch nie habe ich an einem Grab geheult wie an seinem. Und seit diesem Zeitpunkt weiß ich auch …. Hunde sind wahre Freunde, schauen dir in die Seele, sie lieben einen so wie man ist.

    Und ja, ich schaue mich nach einem eigenen Hund um. Doch erst muss wieder alles mit Job & Wohnung stimmen, bevor mir eine Fellnase ins Haus kommt. Es wäre dem Hund gegenüber nicht fair, ihn den ganzen Tag in der Wohnung zu lassen, sich nur ab und zu um ihn zu kümmern !!!!

    Norbert
    in Gedanken bei SammyHund, der über die Regenbogenbrücke gelaufen ist

  6. I like this post, enjoyed this one regards for posting. He removes the greatest ornament of friendship, who takes away from it respect. by Cicero. adkfdgeecdek

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