Der Seelenhund

7 Kommentare

Wenn man Hundetrainerin ist, sollte man Hunde mögen. Nun ja, ich mag Hunde aber auch nicht jeden. Ich kann mich mit ein paar Hunderassen einfach nicht anfreunden und es gibt Hunde, in denen steckt einfach keine Seele. Den Beruf Hundetrainer habe ich irgendwann gewählt, weil ich zu ganz vielen Hunden eine Verbindung herstellen konnte und kann. Das heißt dann bei mir nicht „Was Frauen wollen“ sondern „Was Hunde wollen“. Den Seelenhunden sehe ich an ob sie glücklich sind oder nicht. Den Hunden ohne Seele sehe ich gar nichts an, aber die sind meistens auch nicht in meinem Hundetraining weil sie nichts gegen Erziehung haben sondern das machen, was man von ihnen verlangt. Manch anderer würde sagen, „die sind einfach doof“, ich sage „die sind einfach seelenlos.“

Mein Hund Tequila hat mich sage und schreibe zwei Jahre lang durch jedes Kapitel der Hundeerziehung gehen lassen und nicht nur das, er hat mich auch zwei Jahre lang geprüft. Da ich dagegen bin, einen Hund zu brechen oder zu unterdrücken oder gar zur guten Erziehung zu zwingen, bin ich durch eine wirklich harte Zeit gegangen. Tequila liebt die Freiheit, damals wie heute. Er ließ sich durch nichts bestechen und gab einem trotz aller Mühe nur eine gespielte Freundlichkeit zurück. Nach einem dreiviertel Jahr Kampf um sein Ansehen, habe ich mich damit abgefunden. Wir lebten also nebeneinander her. Wir tolerierten uns. Der wahre Hundekenner, der Hunde und besonders seinen eigenen über alles liebt und auch eine Bindung zu diesem besitzt, kann sich vielleicht vorstellen wie das war. Wenn man einen Hund sein eigen nennt, dann möchte man Liebe geben und geliebt werden. Man möchte einfach mit dem besten Freund auf vier Pfoten durchs Leben gehen. Ich stand zwar oft mit Tequila am Anfang eines Weges, durfte den aber die meiste Zeit dann alleine gehen. Manchmal lief er einfach weg. Mit der Zeit gewöhnt man sich an den Radius eines Rhodesian Ridgebacks und dann an den von Tequila.

Ich hatte das Vergnügen viele verschiedene Hunderassen kennenzulernen. Jede hat etwas für sich  – oder auch nicht. Jedenfalls gibt es ein paar Kundenhunde, die ich ganz besonders mag weil sie eine ganz besondere Seele besitzen. Hunde die ich greifen kann. Und dann gibt es meinen Hund Tequila. Natürlich sagt man jetzt, der eigene Hund ist immer etwas Besonderes. Aber so ist das nicht. Ich habe noch nie einen Hund kennengelernt, der so einen sechsten Sinn hat wie Tequila. Er ist magisch. Und dieses Band, das uns mittlerweile verbindet ist noch magischer. Ich bin ein Seelenmensch  und Tequila ist ein Seelenhund – wenn wir uns ansehen, tauschen uns aus, versinken in Gedanken und lassen tief blicken. (Anm.: Wer schafft denn bitte mal dieses Mensch-Hund-Gestarre Thema ab? Schaut Eure Hunde endlich an und macht nicht aus allem eine Wissenschaft!!!)

Vor drei Jahren hätte ich niemals gedacht, dass aus dem sturen, wilden und ungelehrigen Hund mal mein Millionenhund werden würde. Irgendwann, nach 1 ½ Jahren, da taute er plötzlich ein bisschen auf. Er war bereit mit mir zu arbeiten, er lernte in Windeseile, gab mir aber auch immer wieder Lektionen mit auf den Weg, die mich nicht vergessen lassen, was in solch einem Hund für ein Potenzial in alle Richtungen steckt.

Bei Tequila liest es sich wie die reine Wahrheit:
„Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir – für immer.“ (Konfuzius)
Ich habe diesen Hund frei gelassen und gelernt dass nicht nur Golf einen Demut lehrt.

Tequila hört heute meist wie eine Eins – so, wie ein Hund einer Hundetrainerin auch hören sollte. Es ist nur so, dass er das aus freien Stücken tut. Natürlich haben wir trainiert und ich habe ihm viel beigebracht aber hätte er nicht eingewilligt, hätte ich keine Chance gehabt. Ich hatte mich auch schon damit abgefunden, neben einem Hund zu leben, der sich für Höheres bestimmt fühlt als Erziehung und Regeln oder gar einem Menschen zu „gehören“.

Wenn man Rhodesian Ridgebacks in die Augen blickt, dann begegnet man immer einer Seele. Sie sind anders als alle anderen Rassen, sie sind mystisch, äußerst intelligent und können Menschen auf Entfernung in einer Millisekunde sofort einschätzen. Sie suchen sich genau aus, wen sie mögen, von wem sie sich anfassen lassen, sind anmutig und stolz. Eine Kundin hat letztens gesagt: „Hunde heilen die Seele“. Ja, mein Hund heilt meine Seele, immer und immer wieder.

Tequila ist MEIN Millionenhund. Ein Hund, dem man wahrscheinlich nur einmal im Leben begegnet. Ich danke ihm für alles was er mich gelehrt hat und dafür, dass er sich letztlich doch noch für mich entschieden hat. Er verunsichert mich ab und an immer noch – liebe ich Dich genug, bin ich fair zu Dir und bist Du glücklich? Ich wünsche mir jeden Tag aus tiefsten Herzen, dass er mir nur einmal antwortet: JA. Aber das bleibt wohl ein Wunschtraum.

Ich wünsche jedem, der es verdient hat, einen Seelenhund. Einen, der heilt, einen, der Kraft gibt und Liebe schenkt, einen, der sich nicht dressieren lässt, sondern der aus freien Stücken da ist. Einen, der Tränen von den Wangen leckt und sich zu einem kuschelt wenn man Bauchweh hat. Einen, der sich daneben benimmt wenn er es für angebracht hält und sich dabei nichts sagen lässt. Einen, mit dem man lachen kann, einen, den man tröstet und der einen tröstet, einen Hund, der nicht nur Hund ist sondern uns mit einer Energie versorgt die nicht messbar und erklärbar ist.

Einen Seelenhund eben!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Hundetrainerin
Facebook Fansite: 089dogs Hundetraining

Tequila

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7 Gedanken zu „Der Seelenhund

  1. Oh mein Gott… Für den Artikel solltest du gratis Taschentücher verschicken…

    Sowas von gelungen und schön geschrieben. Das Beste was ich von dir je gelesen habe!!! ❤

    Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen und ich bin froh, sagen zu können dass der Artikel inhaltlich 1000%ig von mir stammen könnte. Nur hätte ich das niemals so perfekt ausdrücken können… 😉
    Weiter so!!!

  2. Hallo, ich kann mich nur anschliessen, ein wundervoller Arktikel und auch ich hätte Taschentücher brauchen können.., so herzzerreissend lieb ausgedrückt, so gefühlvoll beschrieben eure Beziehung, Tequila s und deine!
    Ich habe 4 Hunde die ich alle von Herzen liebe doch zu einem habe ich ein ganz besonderes Band und ich vermute – jetzt wo ich diesen wunderschönen Artikel gelesen habe – dass es dabei ebenfalls um eine Seelenverwandschaft handeln könnte. Dieser eine Hund, ein DKurzhaar/Brackenmädchen (mittlerweile 12Jahre alt bekam ich als 3monatiges Baby) hat meine Seele schon desöfteren geheilt, ja, nur durch sie und ihre Einfühlsamkeit habe ich viel zum Leben dazugelernt! Mitunter habe ich den Eindruck wir würden uns telephatisch unterhalten können!
    Vielen lieben Dank für diese wunderwunderschönen Zeilen!
    Marion aus Luxemburg

  3. ich musste meinen seelenhund leider im alter von schon 3 jahren gehen lassen 😦 soetwas wie suri find ich nicht mehr. Nun ist Mila hier aber die verbindung ist ganz anderst, es ist gut wie es ist und unsere verbindung wird auch immer stärker. trotzdem suri fehlt mir sehr …. vielleicht gibt es soetwas nur einmal im Leben????

  4. Auch ich habe meinen Hund – Rhodesian Ridgeback – verloren, als er 2,5 Jahre alt war. Auch ich muß sagen, daß ich mit ihm eine ganz besondere Bindung hatte. Mit meinen beiden anderen Ridgis habe ich auch eine Bindung, aber nicht so, wie mit meinem Harras. Er war einzigartig und wußte genau, was ich denke, will und fühle – eben eine Seelenhund.
    Danke für diesen wundervollen Artikel, damit spricht du mir und vielen anderen aus der Seele !!

  5. Danke dir für deine Worte. Beim letzten Abschnitt ist mein Hund aufs Bett gesprungen und hat mir die Tränen abgeschleckt. Wenigstens das macht sie. Ich habe meinen Seelenhund, der mich jeden Tag prüft und mir meine Lernfelder brutal vor die Füsse knallt. Ich träume davon, dass auch ich sie „innerlich frei lassen kann und sie kommt zu mir zurück“. Ich wünsche mir ein Happy-End ❤

  6. Ich habe deinen Blog erst gestern entdeckt und finde ihn einfach toll. Deine Berichte sprechen mir wirklich aus der Seele.
    LG Barbara

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