Was muss ein Hund können?

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Tja, was muss er den können, mein lieber Vierbeiner? Und die bessere Frage? Warum muss er dies oder das denn können? Ich widme mich heute diesen Fragen, weil sie mir oft im Hundetraining begegnen. Aktuell hatte ich einen Fall, der mich so fassungslos gemacht hat, dass ich ihn Euch nicht vorenthalten möchte.

Klingeling, das Telefon klingelt, eine Frau am Telefon. „Ja hallo, hier ist Frau Meier, ich habe seit einer Woche einen Hund aus dem Tierschutz und der kann echt rein gar nichts. Der ist total unerzogen. Sie müssen kommen und sich das dringend mal ansehen.“ Prima. Das liebe ich ja. Wie, der Hund von der Strasse aus dem Ausland kann nichts? Ach nee, das ist ja wirklich mal was Neues. Sonst können doch gerade die Hunde aus dem Tierschutz ALLES… *Ironie aus*

Ich also dahin gefahren um mir die Sache mal anzuschauen und nach zehn Minuten im Gespräch, wusste ich, der Hund bleibt da nicht mehr lange, was auch das Ende vom Lied war. Da war das Ding mit der Katze. Die Katze war schon ein paar Jahre vorher da und fand den neuen Mitbewohner ziemlich übel. Sie wohnte seit einer Woche im Kleiderschrank. Gut, alte Katze, neuer Hund, meistens nicht so einfach, aber man muss den Vierbeinern auch einfach mal Zeit geben. Eine Woche… Etwas wenig. Bei diesem Punkt hat die gute Dame schon ziemlich wenig im Voraus mitgedacht.

Nun ja, die Dame hatte sich zwei Wochen frei genommen, um dem neuen, tierischen Mitbewohner ihr Leben zu vermitteln. Dann sollte er ohne Wenn und Aber Alleine bleiben können, so fünf Stunden, die Katze in Ruhe lassen, nicht an der Leine ziehen und überhaupt alles, was der alte Hund konnte, Sitz, Platz, Pfote, in der Ecke sitzen und nicht auffallen.

Ich muss immer noch schockiert lachen wenn ich an dieses Gespräch denke. Wieso denn der Hund gar nichts könne, mit seinen neun Monaten? Der hat da doch in Spanien bei einer Dame mit 20 Hunden gelebt. Die hätte ihm ja wohl mal alles beibringen können?! Der kann ja nicht mal Sitz. Da gehen ja innerlich mit mir die Pferde durch 😦 Am liebsten würde ich die Leute dann fragen, ob sie eigentlich noch bei klarem Verstand sind, aber gut, mein Job ist es ja zu helfen, vor allem dem Tier. Ich fragte die Dame dann, warum ein Hund Sitz machen können müsste. Grosse Augen. Ich fragte noch mal: „Warum muss ein Hund Sitz machen?“ Ja, um an der Strasse zu sitzen. Aha. Warum das denn? Dieser Schwachsinn begegnet mir auch ständig. Wer hat das denn eigentlich ins Leben gerufen, das Hunde an der Strasse Sitz machen müssen? Eines der für mich unnötigsten Dinge im Zusammenleben mit dem Hund. Strasse nass, Sitz, Strasse voll Schnee, Sitz, Strasse heiss, Sitz. Was ein Unsinn. Jedenfalls sagte ich ihr dann, dass der Hund auch lernen kann, ganz normal stehen zu bleiben wenn man auch stehen bleibt. Ja gut, dann hatte sie auch keine Antwort mehr darauf warum ein Hund sitzen machen können MUSS.

Überhaupt geht es nur noch darum, was ein Hund alles können MUSS. Das ist wirklich so ein Driss. Am besten Handstand, Agility, trailen, Dogdancing, immer und überall brav an der Leine gehen, nicht auffallen, kein Laut von sich geben und eben einfach funktionieren. Ich sage, du machst. Herrlich. Unrealistisch.

Natürlich sage ich nichts gegen eine gewisse Grunderziehung, sie dient ja auch zur Auslastung und es macht Spass dem Hund Dinge beizubringen. Meine Hunde können auch Pfote geben, ich find das halt lustig. Aber sie MÜSSEN es nicht. Mein Hund muss sich auch nicht aufs nasse Gras oder den kalten Boden legen, nur weil ich es mir gerade einbilde. Es gibt ein paar Dinge, die ich meinen Hunden beigebracht habe, weil sie uns das Leben erleichtern. Alleine bleiben zum Beispiel. Oder nicht an der Leine ziehen, weil das weder für meine Schulter noch für deren Halswirbelsäule gut ist. Und Rückruf. Ich möchte dass meine Hunde kommen, wenn ich sie rufe. Ansonsten müssen sie nix. Mein Ridgeback kann so viele Dinge nicht, die andere von ihren Hunden verlangen. Nur stört es mich nicht was andere denken oder wie deren Vorstellungen sind, wie etwas sein müsste. Abruf, alleine bleiben können, nicht an der Leine ziehen. Punkt. Das hat der Ridgeback verstanden und so leben wir prima zusammen.

Anders meine Jagdhündin. Die kann ungefähr fünfhundertzweiundachzig Kommandos. Einfach, weil es ihr Spaß macht zu lernen. Und einfach, weil es mir Spaß macht, mit einem hoch motivierten Hund zu arbeiten. Aber müssen? Bis auf die drei Dinge, die mir wichtig sind, damit jeder etwas Freiraum geniessen kann, muss hier keiner was.

Man sollte sich mal überlegen, was man so alles von seinen Tieren verlangt. Alle, die so einem gesellschaftlichen Bild folgen, das aus den Vorstellungen anderer gemacht ist, sollten zuallererst mal an sich selbst arbeiten. Schlaue Sprüche haben ja alle. Nur machen die Tiere da meistens genau dann nicht mit.

Und übrigens, immer erst den Hundetrainer zu rufen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, und dem dann zu sagen, wenn das nicht schnell klappt, kommt der Hund weg, ist unterste Schublade. Bei mir zieht so eine Aussage schon lange nicht mehr. Ja, dann kommt er weg, und zwar in bessere Hände als deine, mein lieber Freund! Wie mich das aufregt. Was soll der Hundetrainer machen? Zaubern? Gerade diese drei Dinge, Abruf, Alleine bleiben, an der Leine gehen, dauern am längsten von allen anderen Kommandos. Dagegen ist Sitz und Platz ein Kinderspiel.

Es ist schade was aus der ganzen Hunderziehungskiste geworden ist. Viele Menschen in der Stadt, mit einem Vollzeitjob und wirklich zu wenig Zeit, sollten keinen Hund haben. Die Realität ist aber, dass der Hund irgendwo zwischen Job, Beziehung und Hobbies rein passen MUSS. Dazu MUSS er schnell funktionieren. Und der Hundetrainer hat es gefälligst zu richten. Verkehrte Welt!

Eure Hundetrainerin
Nathalie

089dogs Hundetraining München
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Geduld ist eine Tugend

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Da bin ich mal wieder. Im neunten Jahr als Hundetrainerin, passiert gar nicht mehr so viel neues. Die Hunde sind immer noch wild, ihre Besitzer wilder und andere Leute rauben einem wirklich oft die Nerven. Ich ruhe ja eigentlich nur dann in mir, wenn es um geduldige, konsequente, liebevolle Erziehung von Hunden und Pferden und sonstigen Tieren geht. Ich kann zum Beispiel so lange stehen bleiben, bis es auch der letzte Hund verstanden hat, dass er nicht an der Leine ziehen soll. Das macht mir nichts aus. Tut ja auch nicht weh.

Der normale Hundebesitzer macht mir da schon mehr Stress als der Hund. Geduld? Was ist das eigentlich noch mal? Gibt’s das auch auf Wikipedia? Tatsächlich. Die Fähigkeit zu warten wird dort als Geduld bezeichnet. Warten, das kann eigentlich so ziemlich keiner mehr. Wenn ich sage: „Jetzt warte mal bis der Hund das gewünschte Verhalten von selbst zeigt“, dann kommt Stress auf. Der fliegt mich jedes Mal richtig an. Mein Herz schlägt dann schneller, ich kann dem Kunden ja kein Päckchen Geduld geben damit er es leichter hat. „Ja jetzt warte halt einfach mal, ist doch wirklich nicht so schwer“, – würde ich gerne sagen, verkneif es mir aber oder versuche es im Rahmen meiner Möglichkeit freundlich und mit einem Lächeln zu säuseln. „So wird das nie was“, ist dann mein zweiter Gedanke, wenn Hundebesitzer nicht warten können. Aber der Hund soll das können. Und zwar sofort. Bleib ist eines der gefragtesten Kommandos. Ich frag mich oft wie der Hund das können soll, wenn sein Mensch diese Fähigkeit schon nicht besitzt.

Ich mache diese Übungen wirklich gerne und wundere mich immer wieder. Da sieht man die fehlende Leistungsbereitschaft des Menschen. Bleib jetzt einfach mal zehn Minuten kommentarlos neben deinem Hund stehen, schau ihn nicht an und beweg dich nicht. Ehrlich? Das schafft echt fast keiner. Beim Blick hört die Übung wieder auf, vielleicht liegt das an der Fähigkeit der Hunde, ihre Besitzer zu hypnotisieren. 😉

Überhaupt müssen die Leute überall hin gucken. Da kommt ein anderer Hund, anstarren – so bringt man das übrigens auch seinem eigenen Hund bei. Gerne mischen sich auch Menschen ein, die eigentlich mit der Sache gar nichts zu tun haben. Da trainiert man schweißtreibend mit seinem Hund, steht da und wartet dass Herr Kurzhaar sich nun auch endlich mal zwei Sekunden für einen interessiert und schon hat man Zuschauer. Ja was hat er denn, ja was machen Sie denn da, ja der ist ja süss, OH der muss aber noch viel lernen – nachdem die nicht zum Training eingeladene Person angesprungen wurde.

Viele verzweifelte Kunden mit sehr schönen Hunden kommen immer mit demselben Problem: Es kommen einfach Menschen auf sie zu und streicheln den Hund. Ich frag mich wie die das schaffen. Mir passiert das nie. Auf mich passt so der Spruch: Mein Hund tut nichts, das Frauchen schon. Ich glaube, ich würde jemanden anspringen der einfach meinen Hund streichelt. Geht’s eigentlich noch?
Jedenfalls frage ich die Kunden, wie sie das regeln. Sie sagen, sie würden die Menschen bitten, den Hund nicht zu streicheln. BITTEN??? Oh je, oh je, oh je. Spätestens dann würde ich meinen Kunden gerne einmal die Ohren lang ziehen. Wenn andere Grenzen überschreiten, ist für Höflichkeit nun wirklich kein Platz mehr. Statt bitten einfach mal laut schreien 😉

Menschen werden immer grenzenloser. Und dem muss man entgegen wirken. Ein scharfes NEIN, wenn jemand einen süßen Hund ansteuert, langt da. Ganz einfach. Was in der Hundeerziehung funktioniert, kommt auch bei Menschen an. Kurz, knapp und auf den Punkt. Ich übe das sogar mit meinen Kunden. Gibt’s ja nicht, dass der Hund irgendwann keine Menschen mehr mag, weil er von jedem Depp angetatscht wird. Wo kommen wir denn da hin? Über sowas kann ich mich den ganzen Tag aufregen. Und über schlechte Autofahrer. Oder Leute, die ihren Hund vor Geschäften anbinden. Nicht selten fragt man das sogar bei mir an, ob ich das trainieren würde. Der Hund soll schließlich sich nicht wehrend, still und leise, schutzlos vor dem Geschäft absitzen können. Bei meiner Antwort auf so eine schwachsinnige Frage werde ich allerdings auch ungeduldig.

Genauso ungeduldig werde ich bei Kunden, die ihren Hund noch mit alten Erziehungsmethoden erziehen wollen. Schnauze in Pippi tränken um Stubenreinheit zu lernen, Dinge nach Hunden werfen… Es gibt ja dann die und die. Die einen zeigen sich sehr einsichtig, wenn man ihnen erklärt das wir heute so viel weiter in der Lernpsychologie sind, dass wir auf solche Dinge getrost verzichten können. Die anderen wollen das aber so weiter machen, naja, weil die Familie das ja früher auch immer schon so gemacht hat. Da hört meine Geduld dann auch auf. Da bin ich raus. Bei so einer Scheiße mach ich einfach nicht mit. Das sage ich dann auch ziemlich deutlich. DU bekommst bei mir sicher NIE WIEDER einen Termin, wenn du deinem Welpen solche Dinge antust, die Verhaltensauffälligkeiten kannst du dann selbst ausbaden. So! Mein Wort zur Woche.

Und neben all diesen Dingen, gibt es sooo viele wundervolle Hundehalter die immer wieder den Weg zu mir finden. Ich liebe die Hunde, ich mag die Besitzer, die Hunde lieben mich, bei den Besitzern weiß ich das nie so genau, ist aber auch nicht so wichtig. Den Trainer muss man nicht immer mögen, Hauptsache, man geht gut mit seinem Tier um!! Das ist sowieso wirklich das Allerwichtigste für mich!!!

Und noch kurz zu uns: Allen gehts gut, Sunny am meisten (s. Foto) 😉

Eure Hundetrainerin
Nathalie

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Statement Merkur Artikel

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Ach ja, jetzt habe ich glaube alle 5000 Kommentare über meinen Merkur Artikel gelesen und überlegt, ob ich jetzt zu so manchen negativen Kommentaren was sagen soll oder nicht… Aber, ich möchte die Humorlosen dieser Welt gerne an die Hand nehmen, damit es auch der Letzte versteht. Keinesfalls möchte ich mich entschuldigen für einen grandiosen Artikel wie ich finde 😉

  1. Der größte Aufreger war „etwas Gerettetes aus dem letzten Griechenlandurlaub…“. Ich habe selbst so was Gerettetes aus dem Ausland. Ich glaub die hat es ganz gut bei mir, genauso wie mein Rassestinketier. Wer hier etwas negativ-abwertendes rein interpretieren möchte, sollte sich selbst mal fragen, warum er das tut 😉
  1. Es ist eine rein fiktive Geschichte, ich sehe/treffe nämlich nur immer Leute im Englischen Garten, die sich von Hundehaltern sehr viel gefallen lassen müssen. Ich habe noch nie einem Hund ein Schluck Prosecco übergegossen, Sunny trinkt höchstens mal gerne einen Tropfen wenn sie einen erwischt und ich liebe Prosecco sowieso 😉 Außerdem arbeite ich mit Menschen die Angst vor Hunden haben und die bestätigen mir das Bild von rücksichtslosen Hundehaltern immer und immer wieder. Das ist die Realität und nicht die Blümchenharmoniewelt die manche Kommentarschreiber versuchen zu skizzieren.
  1. Es ist völlig ok, wenn die Leute, denen mein Schreibstil und meine Wortwahl nicht gefällt, nicht in mein Hundetraining kommen. Ehrlich gesagt kann ich auf die auch verzichten, bei mir lernt man nämlich vor allem Rücksicht auf andere Menschen und Tiere zu nehmen und seinen Hund auf liebevolle Art gesellschaftskonform zu erziehen. Meine Kunden sind alle offene, herzliche, humorvolle und tierliebende Menschen. Mit Menschen, die denken, die Welt muss sich ihren Hunden anpassen, kann ich aufgrund meines Drangs nach Rücksichtnahme und Gerechtigkeit nichts anfangen. Leben und leben lassen, ja, aber unsere Gesellschaft entwickelt sich nicht nur unter den Hundehaltern immer mehr zur „ICH“ Bezogenheit.
  1. Das Tierschutzthema ist ein anderes. Ich lasse es mir dennoch nicht nehmen, immer wieder auf die Problematik hinzuweisen, denn die gibt es. Viel zu viele Tiere aus dem Ausland leiden hier, sind krank, können sich nicht auf die Umwelt einstellen und landen bei Personen, die gar nicht fähig sind so einen Hund zu handeln. Auch dieses Thema begegnet mir ständig. Ich verzichte auch hier auf die Märchenwelt, die von Tierschützern (die übrigens eigentlich echt die schlimmsten sind unter den Kommentarschreibern) gerne aufgebaut wird. Einen Hund aus dem Ausland zu übernehmen ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Und manche Hunde gehören einfach nicht nach Deutschland. Sie werden hier niemals in sich ruhend leben können.
  1. BESONDERS eine Hundetrainerin darf das alles so schreiben. Ich bekomme den Wahnsinn JEDEN TAG mit. Ich verpacke es eben auf meine Weise, ein bisschen verzweifelt bei so mancher Weltanschauung der Hundehalter bin ich aber manchmal schon.
  1. Meine Ausdrücke bezüglich der Hunde und Halter sind immer liebevoll lustig gewählt und frei von jeglicher Bewertung oder Aggression. Ist eben mein Humor aber den muss ja nicht jeder teilen.

Was habe ich denn noch so gelesen… Ich weiß es gar nicht mehr. Ach ja, Werbung…
Meine lieben Hater, ich brauche sicher keine Werbung über irgendwelche Artikel zu machen, mit denen ich polarisiere. Ich polarisiere schon seit ich vor Jahren meinen ersten Artikel geschrieben habe. Und ich stehe auch dazu. Ich habe eine Meinung, die ich auch vertrete, und das gerne mal sehr überspitzt, sarkastisch und ironisch. Im wahren Leben helfe ich den Menschen und Hunden ein unkompliziertes Leben zu führen. Es ist immer jedem seine eigene Sache, wie er Dinge verstehen will aber ich sehe, dass der Artikel mit Sicherheit bei den richtigen Menschen eingeschlagen hat.

„Wir wissen nicht, was andere Menschen denken oder fühlen. Wir interpretieren ihr Verhalten und sind dann wegen unserer eigenen Gedanken beleidigt.“Sollte so mancher sich mal drüber Gedanken machen.

An alle positiven Schreiber: DANKE!!!

Es grüßt herzliche die Hundetrainerin und Sunny, der gerettete Köter, dem das alles ziemlich wurscht ist 😉

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Wachhund

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Bei uns in der Wohnung wurde eingebrochen. Uns und unseren Hunden ist nichts passiert aber das Ganze ist so unschön, dass es mich zum Nachdenken gebracht hat. Wenn man sich mal hinsetzt und im Internet etliche Einbruchsberichte liest, dann fällt einem auf, das Hunde immer mehr zum Opfer werden statt ihren eigentlichen Job zu erledigen, und zwar den Einbrecher zu verjagen, wenn er denn mal kommt.

Tja, aber warum tun sie das eigentlich nicht mehr in der Form, wie wir uns das immer vorstellen? Dazu gibt es viele Antworten. Und auch Schuldige. Und zwar wir. Und unsere Gesellschaft.

Heutzutage haben wir ein klares Bild von Hundeerziehung. Der Hund soll nämlich am besten auf einer Decke auf dem Boden liegen und keinen Mucks von sich geben. Nicht bellen wenn sich im Hausflur was tut, nicht bellen wenn es klingelt, jedem Besuch fröhlich begegnen oder ihn wenigstens ignorieren. Man möchte gefallen, den Nachbarn, den Freunden und Eltern. Man wünscht sich den Vorzeigehund und wehe, er ist nicht so, wie man es suggeriert bekommt.

Unsere Hunde waren tolle Wachhunde und die hatten auch keine Verhaltensstörungen. Die Nachbarhunde auch nicht. Und die Hunde einen Ort weiter auch nicht. Sonst wurden Hunde nämlich eingeschläfert. Ohne Tam Tam und Tierschutzorganisationen die einen Hund retten wollen, der ein Kind angegriffen und schwer verletzt hat. Früher haben Hunde eine kurze Erziehung genossen und haben sich an uns angepasst. Da brauchte man kein Hoftor weil sie das Grundstück nicht verlassen haben und sie durften auch jeden anbellen. Ein Hund musste früher kein Everybody`s Darling sein, heute schon.

Heute muss ein Hund allen gefallen. Auch denen, die von Hunden gar keine Ahnung haben. Dem neuen Vermieter zum Beispiel. Wobei man schon Glück haben muss, wenn man mit einem Hund überhaupt eine Wohnung findet. Dabei könnte man sich eigentlich richtig glücklich schätzen ein paar Wachhunde im Haus zu haben. Aber auf unsere Wachhunde legt man heutzutage keinen Wert mehr weil sie sowieso nicht funktionieren. Man trainiert ihnen das ab. Damit alle glücklich sind. Die Rechnung bekommt man dann vielleicht mal. So wie wir. Dabei denke ich an die vielen, vielen Fälle, in denen ich gerufen wurde, damit der Hund lernt Besuch zu lieben und ansonsten den Schnabel zu halten. Früher waren Hunde eine Abschreckung für Diebe, heute sind sie das nicht mehr – was uns auch die Polizei bestätigte.

Wir trainieren unseren Hunden ihre Instinkte ab, wir binden sie an uns und zwingen sie, keine freien Entscheidungen mehr zu treffen. Sie hören auf Kommandos und bekommen ihr ganzes Leben dirigiert. Naja, da muss man sich ja nicht wundern wenn man nachts mal überfallen wird und der Hund daneben steht und nicht weiß was er tun soll. Freundlich sein? Abhauen? Vielleicht doch mal dazwischen gehen?

Hunde dürfen nicht mehr knurren und bellen. Denn dann gelten sie gleich als verhaltensgestört und unerzogen. Peinlich für das andere Ende der Leine. Und da ja jeder heutzutage ordentlich da stehen will, sorgt er dafür, dass sein Hund in das Bild der Gesellschaft passt. Bloß nicht auffallen und den Mund halten. Mitschwimmen.

In meinem Training lege ich großen Wert auf die Einzigartigkeit jeden Hundes. Sie DÜRFEN bellen und knurren, sich mitteilen. Bei mir gibt’s keine Maulsperre. Allerdings gehöre ich natürlich auch zu denen, die ihren Hunden schön beigebracht hat, in der Wohnung den Mund zu halten.

Da stellt sich ja die Frage, was richtig und was falsch ist. Natürlich kann ein Hund nicht ständig bellen. Aber er sollte auch nicht still zuhören wenn er besser warnen sollte. Es gilt also den Mittelweg zu finden. Immer wieder im Training beschweren sich Menschen darüber, dass ihre Hunde viel bellen. Naja, ein Hund bellt nun mal, die eine Rasse mehr, die andere weniger. Hunde haben aber immer einen Grund zu bellen. Sie kommunizieren. Man sollte ihnen lieber mal zuhören anstatt darüber hinweg zu gehen und beim Verhaltenstherapeuten auf der Gassiwiese zu landen.

Zurück zu den Einbrechern. Die waren ziemlich tierlieb. Glück für uns. Und irgendwie auch Glück für die, denn wer unseren Rhodesian Ridgeback Tequila kennt, der fragt sich sowieso, wie die das geschafft haben. Wir wissen es. Aber aus ermittlungstechnischen Gründen kann ich das an dieser Stelle nicht veröffentlichen. Fakt ist aber, wenn ich nicht immer die Oberaufpasserin wäre und meinen Hunden mehr ihrem Wachinstinkt folgen lassen würde, wäre es soweit vielleicht gar nicht gekommen. Dann hätten die schon losgegrölt bevor die Einbrecher sich was überlegen konnten. Und als ob es den Vierbeinern eine Lehre gewesen wäre, kommentieren sie jetzt alles. Jedes Knacken. Bin froh. Sonst könnte ich nicht mehr schlafen.

Wie wichtig es ist, dass der eigene Hund seinen Job macht, merkt man erst, wenn man mal erfahren hat, wie das aussieht, wenn er ihn nicht macht.

Knuddelt Eure Beller. Sie haben es verdient.

Eure Hundetrainerin
Nathalie

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Vollblut Rüde sucht Vorbild Poser

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Es sollte ja nur so ein „Wellness-allein-ist-langweilig-dann-setz-ich-mich-halt-mal-aufs-Hottehü“ Urlaub werden. Aber dann habe ich mir leider den Pferdevirus eingefangen und seitdem beschäftige ich mich sehr intensiv mit den 600 kg Vierbeinern. Am Anfang war es mir gar nicht so bewusst, dass auch vier Hufe einen testen können. Und deshalb hat die eine oder andere Stute auch jegliche Grenze überschritten die sie finden konnte. Ist mir natürlich dann aufgefallen aber man muss ja nicht alles sofort kommentieren. Irgendwann machts dann halt im richtigen Moment KLATSCH und fertig. Dann ist die Sache gegessen. Zumindest bis die Stute wieder in irgendeine andere, komplizierte Phase kommt, die sie an anderen auslassen muss. Das weiß man nie so genau. Ist ja mit den Frauen nicht anders. Kennt man.

Irgendwann fing ich dann auch an Bücher zu lesen. Das Pferdepsychologiestudium noch dran zu hängen. Easy. Und vor ein paar Wochen stellte man mir auch noch freundlicherweise einen Hengst vor die Nase. Hengst, dachte ich, super. Kann ja nicht schlimmer werden als eine zwickende Stute. Ist es auch nicht. Hat aber jeder gesagt. Hengst, ooohhh, da musst du aufpassen, Sohn des Zeus.

Im Internet lese ich oft die Frage: Gibt es einen Unterschied zwischen Rüden und Hündin? Was soll ich mir zulegen? Also ich bin ja so der Rüdentyp. Auch eher so der Poser. Manchmal übermotiviert. Mein Rüde findet das gut. Schickt mich immer vor. Weiß genau was den anderen blüht wenn sie sich nicht benehmen. Der überlässt das mir. Lacht sich schon in die Pfote wenn irgendjemand meint uns belästigen zu müssen. Dreamteam. Und da fragte ich mich, wie schon so oft in acht Jahren: Gibt es bestimmte Hunde für bestimmte Menschen?

Ab und an kommen Hund und Halter ins Training und man weiß nach fünf Minuten: Ok, egal welche Tipps und Tricks ich Dir mitgeben werde. Es wird nie, nie, nie so richtig funktionieren. Weil Dein Hund nämlich einfach einen ganz anderen Charakter hat als Du. Stärker. So mehr der Poser. Du so mehr das Liebchen.

Was manche Trainer als das Wooohooo der mystischen Kraft in der Hundeerziehung verkaufen, ist übersetzt ganz einfach: Innere Stärke. Starkes Auftreten. Haben gar nicht so viele Menschen. Und viele Hunde sind auch nicht so dermaßen anpassungsfähig, dass sie über ihren starken Charakter hinwegspringen könnten. Aus Liebe zum Liebchen. Besonders grandios ist die Mischung: Unkastrierter Rüde, zu nettes Frauchen. Oder zu spät kastrierter Rüde und immer noch zu nettes Frauchen. Oder unkastrierter Rüde und sich beweisen müssendes Herrchen. Wenn beide zu viel Testosteron im Kopf haben, ist das auch schlecht. Ziemlich schlecht. Mit denen hat man nur Ärger.

Tieren mit ordentlich Hormoneinschuss und einem starken Charakter muss man entgegen treten können. Da muss ein HEY reichen. Viele Hundehalter brechen aber schon ein bevor sie überhaupt HEY rufen. Klappt eh nicht. Malen sich das bevorstehende Desaster im Kopf aus. Suchen schon nach Ausreden. Oder dem nächsten Baum hinter dem sie sich verstecken können damit man sie bloß nicht mit dem unerzogenen, hormongetriebenen Monster in Verbindung bringt. Klappt nie.

Bei Hengsten ist es so, dass jeder sofort empfiehlt, sich keinen Hengst zu halten. Schwere Haltungsbedingungen, immer lauert irgendwo Ärger, auch weil gerade andere Pferdehalter oft kein Benehmen oder keine Ahnung haben. Irgendwie kommt mir das ziemlich bekannt vor. Man sollte einigen Hundehaltern das mal mit Rüden verklickern. Mit einem Rüden kannst du ganz lange, ganz viel Ärger haben, und zwar wenn du ihm nicht von Anfang an die Grenzen aufweist und ihn erziehst. Das verpasst natürlich jeder zweite Hundehalter. Rüde. Ach was. Kriegen wir schon hin. Gerade in der Läufigkeitsphase der Hündinnen. Du, da kommt das unkastrierte Karlchen von drei Häuser weiter und bekommt vom eigenen Rambo erst mal so dermaßen eine auf den Sack weil es natürlich darum geht, wer hier die nächste Hündin begatten darf. Theoretisch. Da werden die Straße und das tägliche Auslaufgebiet zum selbsternannten Territorium. Und dann gibt’s da so mega Trainer. Die stellen Erziehung über Hormone. Alles eine Frage der Erziehung. Bekommt man schon hin. Klar. Am Arsch. Setzen, sechs.

Wenn das mit den Hormonen mal so einfach wäre. Könnten ja auch die Männer ihre Frauen einfach mal erziehen wenn die sich während bestimmter Phasen irgendwie komisch verhalten. Ich würde beratungsresistenten Hundebesitzern, die so ein hormongesteuertes Etwas durch die Gegend führen ja gerne für ein paar Wochen mal Testosteron injizieren. Mal sehen, was sie dann zu dem Thema „Wollen und Können“ sagen.

Es gibt natürlich auch Hengste und Rüden, an denen ist die Kelle mit dem Testosteron einfach vorbei gegangen. Da regt sich nichts und die haben auch keinen Bock auf diese ständigen Streitereien. Da kann man die Eier dran lassen. Macht keinen Sinn da was zu operieren. Aber die sind einfach die Ausnahme.

Und dann diese Kastrationsgegner. Bloß nicht kastrieren. Dein Hund ist zwar hyperaktiv, völlig banane, wird deshalb auch von allen Hunden verkloppt, steigt auf alles was kastriert oder unkastriert ist und verhält sich wie der letzte Depp. Mach(t) nichts. Das liegt bestimmt an tausend anderen Faktoren, weil wenn man das wissenschaftlich mal untersucht, dann hat das Testosteron gar keine Schuld, es ist deine scheiß Erziehung und außerdem bekommt er das falsche Futter. So schaut’s nämlich aus. Und jetzt quälst du Dich gefälligst noch die nächsten fünf Jahre mit zehn verschiedenen Trainern rum, bis auch Du endlich auf die Idee kommst, mal eventuell zumindest über einen Hormonchip nachzudenken. Muss ja nicht gleich schnipp schnapp sein. Gibt ja heute Möglichkeiten. Aber naja, dann kommen wieder die um die Ecke, die sagen, dass die Hunde von dem Hormonchip sterben. Sofort. Schlimmstenfalls danach nur noch auf drei Beinen gehen und die Hälfte des Gehirns vernichtet wurde.

Wie man es macht, ist es falsch. Man sollte sich halt aber mal vorher überlegen, ob man ein in sich ruhender, gerader Mensch ist, der nicht bei jedem kleinen Ärger innerlich zusammenkracht bevor man sich einen schicken Sportjagdhundrüden zulegt, der nie, nie, nie kastriert werden soll. Das macht nämlich in etwa so viel Sinn, wie sich einen Hubschrauber ohne Flugschein zu holen. Man kommt vielleicht irgendwie in die Luft aber fällt sicher schnell auf die Fresse. Und dann ist man unglücklich, traurig und verzweifelt. Zu Recht.

Und wer leidet wieder drunter? Der Hund. Der Hengst. Die Stute. Die Rüdin.

Drum prüfe, wen man sich ewig ans Bein bindet 😉

Eure Hundetrainerin
Nathalie

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Tierschutztaliban – oder wann Tierschutz seine Grenze erreicht

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Die Hitze macht uns schwer zu schaffen, einige können sogar nicht mehr klar denken. Ich spreche von knapp 80.000 Menschen, die kopflos einen Post im Internet geteilt haben, in dem es um eine Lappalie ging, die künstlich von einem „Ich setze mich total krass für jedes Tier ein“ Typen veröffentlicht wurde.

Da ich dem Oberkrasstierschutztypen keine Manege bieten möchte, gebe ich mit eigenen Worten wieder, was er geschrieben hat:

Ich, Oberaufpasser aller Tiere dieser Welt, habe heute Hunde in einem Auto bellen hören. Da es sehr heiß war, habe ich prompt erst die Halterin, eine Hundetrainerin, angerufen denn ihre Nummer stand auf der Heckscheibe und nachdem ich sie nicht erreicht hatte, habe ich gleich eine Sekunde später die Polizei angerufen. Während ich mit der Polizei sprach (übrigens böse Polizei, weil die wollten einfach nicht kommen), kam die Halterin und jetzt stellt Euch vor, die hat mich auch noch angemacht was ich überhaupt wollte. Ok gut, die Hunde hechelten nicht mal, davon konnte ich mich dann überzeugen, aber dann ging sie wieder weg vom Auto. Keine Halterin, keine Polizei, also Robin Hund spielen, einen Stein suchen und die Scheibe selbst einschlagen. Kurz bevor ich die Welt, ääähhh, Hunde retten konnte, kam die Hexe und fuhr einfach weg. Nicht mal zugehört hat sie mir. Und jetzt bitte, ihr müsst das alle bitte teilen, damit keiner mehr in ihre Hundeschule geht, bitte, bitte, biiiitteeee lasst mich nur einen Tag ein Held sein.

Ja, so in etwa, nur etwas krasser und selbstverliebter klangen die Worte. Selbstverständlich mit Namensnennung der Hundeschule und das war noch nicht alles, nein, auch Fotos von der Heckscheibe mit Telefonnummer und Autokennzeichen wurden unter diesen Eintrag gepostet.

Naja und dann ging es auch schon los. Tausende Menschen, die alle auf jeden Fall dabei gewesen sind, haben diesen Beitrag geteilt. Die Hundetrainerin wird bedroht, gemobbt, ihr Ruf und ihre Existenz zerstört.

Da muss man doch mal einen Moment inne halten und etwas nachdenken, jetzt am Abend, wo es kühler wird. Mal ganz abgesehen davon, dass es keinem zum Vorwurf gemacht werden kann, seinen Hund zwei Minuten im Auto zu lassen weil man zu Hause etwas vergessen hat, kann es nicht rechtens sein, dass ein einzelner Weltverbesserer versucht, eine Existenz zu zerstören weil er der Meinung ist, dass bei Hitze alle Tiere dieser Welt im Keller eingesperrt werden müssen. Ich bin schockiert über diese Geschichte.

Sollte die Hundetrainerin wirklich ihre Hunde in Not gebracht haben, so hätten sie nicht mehr gebellt. Das ist mal Punkt eins, denn Hunde, die dehydrieren, liegen einfach nur noch apathisch herum und machen, genau, nichts mehr, das war auch sicher der Grund warum die bösen Männer in Grün nicht sofort mit der Sonderspezialautoaufbruchseinheit angerückt sind. Zweitens, wenn irgend so ein Kerl an meinem Auto rumlungern würde, würden meine Hunde auch bellen. Vielleicht haben sie aber auch nur gebellt weil der Tierschutzweltrettertyp mit seinem Vierbeiner aufgeschlagen ist und die Hunde nun mal ihr Revier verteidigen wollten. Drittens, eine Hundetrainerin mit Namen und Telefonnummer auf der Heckscheibe wird kaum so doof sein, und die Hunde bei der Hitze über längere Zeit im Auto zurück lassen. Viertens unterstelle ich uns allen oder vielen von uns, die mit Tieren arbeiten, absolute Tierliebe. Und den Selbstständigen unter uns auch etwas unternehmerischen, vorausschauenden Geist. Schließlich lungern seit der Hitze hinter jedem Baum Autofenstereinschläger.

An dieser Stelle möchte ich mal betonen, dass es verboten ist, einfach Fensterscheiben einzuschlagen nur weil man ein Tier dahinter sieht und es zufällig heiß ist. Man muss die Polizei verständigen, Zeugen hinzuziehen und erst alles andere unternehmen, bevor man zu so einer drastischen Tat übergeht. Eigentlich darf auch nur die Polizei sowas machen. Es gibt nämlich tatsächlich auch, oh Wunder, im Jahre 2015, Autos mit einer Klimaanlage. Die funktioniert sogar bei vielen im Stand. Und Kühldecken für Hunde gibt’s auch. Und ein Auto, das so wie meins heute, auf 18 Grad Innentemperatur runtergekühlt wurde, kann ich mal inklusive Hunde für ein paar Minuten verlassen, um zum Beispiel den Tank zu zahlen oder schnell etwas abzuholen. Ich darf auch bei 37 Grad Außentemperatur mit meinem Hund im Auto irgendwo hin fahren – Wahnsinn oder?

Was ich alles darf und was der Oberlehrertierretter gerne verbieten möchte. Ich weiß aber immer noch nicht wen ich jetzt schlimmer finde, den Typen, der das so ins Internet gestellt hat oder diejenigen, die das geliked und geteilt haben. Ohne Gegendarstellung. Ohne Hintergrundwissen. Ohne auch den Typen zu kennen der das verzapft hat. Ohne die Frau zu kennen, die jetzt um ihre Existenz bangen muss. Rufmord und Mobbing – ich möchte gerne wissen, wie das einer von den 80.000 Leuten finden würde, wenn man das mit ihm macht. Ist ja heutzutage eigentlich ganz einfach. Zufällig eine Situation in den falschen Kontext gebracht, dann mixt man noch ein Tier oder Kind dazu (ist wichtig für den Mitleidsfaktor der auch sofort das Hirn ausschaltet) und schreibt Hilfe, Hilfe, Schande, Schande, Bitte, Bitte und schon läuft`s.

Wenn ich das mal mit denen machen würde, die ihre Hunde täglich stundenlang alleine lassen, obwohl die total gestresst sind oder denjenigen, die ihre Hunde frei laufen lassen obwohl diese gefährlich für Mitmenschen und Artgenossen sind. Mit denen, die einen Hund haben, aber die Hundeschule wechseln weil sie keine Lust haben zum Tierarzt zu gehen obwohl der Hund offensichtlich Schmerzen hat. Mit denen, die die Leine zur Erziehung über ihre Hunde ziehen und, und, und. Aber liebe Leute, dafür gibt es Institutionen die sich darum kümmern. Und die heißen nicht Facebook, Twitter und Bildzeitung sondern Polizei, Ordnungsamt und Veterinäramt.

Diese Geschichte hat wirklich etwas von moderner Hexenjagd. Alle rennen mit Knüppeln hinterher, denn wir wissen ja auch wie das mit der stillen Post ist. Morgen steht in der Zeitung dass die Hundetrainerin eigentlich eine Hundesitterin ist, die die Kundenhunde dreißig Minuten im Auto zurück gelassen hatte, während sie daneben einen Kaffee trank und die fünfte Zigarette rauchte. Mit vollem Mund brabbelte sie irgendwas von „die Köter vertragen das schon, auch ne Kippe?“.

Ich wünsche meiner Kollegin starke Nerven, zwei, drei gute Anwälte und das ein oder andere Glas Wein um diese Gesellschaft zu ertragen. Meine Unterstützung hat sie, denn selbst, wäre es der Fall, sie wäre im Unrecht, ist es noch lange kein Grund, einen Menschen zu bedrohen und seine Existenz zerstören zu wollen. Kein Mensch ist fehlerfrei. Ich muss mich wirklich sehr zurück halten. Ich finde schon gar keine Worte mehr für das Verhalten und die Beleidigungen von so vielen Menschen die sich an der Hetzjagd beteiligen.

Nur eins. Asozial!

Eure Hundetrainerin
Nathalie

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Hund im Auto

Hyperaktiver Hund Teil 2

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Auf meinen ersten Beitrag über Hyperaktive Hunde habe ich viel Feedback bekommen und es erreichen mich immer wieder verzweifelte Mails und Anrufe von Hundehaltern, die einen Hyperaktiven Hund an ihrer Seite vermuten. Deshalb möchte ich noch mal auf das Thema eingehen und einige Fragen zu Hyperaktiven Hunden hier beantworten.

Welche Literatur ist für Hyperaktive Hunde empfehlenswert?

Es gibt drei Bücher, die ich wärmstens empfehlen kann, weil sie sich mit dem Thema aber auch mit Lösungsansätzen befassen und viele Tipps und Übungen bereithalten:

Hyperaktive Hunde von Maria Hense

Leben will gelernt sein von Birgit Laser und Wibke Hagemann

Zappelhunde von Inga Jung (ein Erfahrungsbericht)

Wie finde ich den richtigen Hundetrainer?

Eine gute Anlaufadresse für den Norden ist auf jeden Fall Inga Jung (http://www.hunde-verhaltensberatung.de), sie kennt auch einige Kollegen/innen, die in anderen Teilen Deutschlands weiterhelfen können. Ich selbst bin in München, also ein Ansprechpartner für den Süden (http://www.089dogs-hundetraining.de)

Wenn man das Gefühl hat, einen Hund zu haben, dem es schwer fällt sich zu konzentrieren, zu Gefühlsausbrüchen neigt (übertriebene Freude, übertriebene Aggressivität), der schwer zu Ruhe kommt und immer auf Empfang ist, dann sollte man von einem Hundetrainer Abstand halten der solche Sachen sagt:
„Ihr Hund ist nicht ausgelastet.“
„Ihr Hund hat keinen Respekt, der muss man richtig ran genommen werden.“
„Das ist alles eine Erziehungssache.“
„Sie haben ihren Hund nicht im Griff.“
… und viele mehr solcher Aussagen, die einfach irgendwie aus der Luft gegriffen sind.

Ein professioneller Hundetrainer oder Tierpsychologe wird Euch zuerst einmal zum Tierarzt schicken und einen gründlichen Gesundheitscheck verlangen.

Wichtig sind:
großes Blutbild
Schilddrüsenwerte (und hier langt nicht nur der T4 Wert, wie das viele Tierärzte gerne machen, sondern ein komplettes Profil, mehr dazu findet man z.B. hier: Subklinische Schilddrüsenunterfunktion bei Hunden)
Bauchspeicheldrüse
Urin- und Kotuntersuchung

Auch hier heißt es: Nur an einen kompetenten, erfahrenen Tierarzt wenden. Es gibt Tierärzte die sagen: „Der Hund ist nur jung, da kann gar nichts an der Schilddrüse sein“, usw, und wollen dann keine Blutuntersuchung machen. Bei solchen Aussagen sofort raus aus der Praxis. Wendet Euch an einen Tierarzt, der Erfahrung auf dem Gebiet hat oder zumindest offen für neue Dinge ist. Wie leider auch bei den Humanärzten, ist es schwierig, einen guten Tierarzt mit Erfahrung auf diesem Gebiet zu finden.

Des Weiteren ist es wichtig, den Bewegungsapparat untersuchen zu lassen. Gerade bei Hunden aus dem Ausland oder anfälligen Rassen, sollte man mindestens einmal geröntgt haben, um Schäden an der Hüfte oder den Gelenken auszuschließen, denn Hunde sind auch gerne aggressiv oder hyperaktiv, wenn sie Schmerzen haben.

Ich betone aus meiner Erfahrung heraus noch einmal deutlich, dass auch ein gesund aussehender Hund gesundheitliche Probleme haben kann. Hunde haben einen starken Überlebensinstinkt und zeigen Schmerzen erst deutlich, wenn es akut ist, und dann haben Sie den Salat als Hundehalter. Ein jährlicher Gesundheitscheck bei Tieren sollte ein MUST sein. Mir ist es immer noch unverständlich, wie man z.B. einen Hund aus dem Ausland haben kann, und noch nie ein Blutbild hat machen lassen.

Wichtig sind dann auch die Ergebnisse der Blutwerte.
Ich fasse meine Erfahrung an dieser Stelle als Hundetrainerin zusammen:

Bei jungen Hunden bis ca. vier Jahren zeigt sich die Schilddrüse oft im Normbereich mit leichten Abweichungen obwohl eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegt. Weicht der Wert also minimal ins untere Drittel ab, kann es schon sinnvoll sein, ein Medikament zu geben. Es gibt zwei mir bekannte Medikamente für die SDU: Forthyron und Euthyrox.

Bei meiner Hündin wurde die SDU ganz eindeutig im Blutbild mit vier Jahren festgestellt. Viel zu spät, wenn man bedenkt, dass durch eine SDU die nicht behandelt wird, weitere Krankheiten ausgelöst werden können, so z.B. eine Bauchspeicheldrüsenerkrankung.

Es gibt aber auch die Fälle, in denen der Hund eine Erkrankung hat und durch diese eine SDU entsteht. Deshalb ist es nicht ausreichend, einfach nur eine Schilddrüsenuntersuchung zu machen. Hunde die auffällig anders sind als Kandidaten im gleichen Alter der gleichen Rasse, müssen vor einem Training auf jeden Fall medizinisch auf links gedreht werden, auch wenn z.B. ein Deprivationssyndrom vorliegt. Gesundheitliche Geschichten müssen dringend ausgeschlossen werden können.

Aber ich möchte auch mal ganz klar betonen, dass nicht jeder aufgedrehte Hund gleich ein medizinisches Problem hat. Es standen schon Terrierbesitzer vor mir, die meinten, sie haben einen hyperaktiven Hund. Man erkennt das als Profi eigentlich recht schnell, ob der Hund einfach etwas aktiver ist oder ob eine wirkliche Hyperaktivität vorliegt. Jedenfalls kann man das nicht nach der ersten Trainingsstunde sagen. Ein professioneller Trainer wird sehr vorsichtig mit solchen Äußerungen sein und sich die Sachlage erst mal einige Zeit anschauen + den medizinischen Check abwarten. Es ist auch eine wichtige Frage, durch was Hyperaktivität ausgelöst wird. Bei Auslandshunden oder Hunden, dessen Züchter die Hunde nicht auf die Umwelt vorbereitet haben, in der sie leben sollen, ist es oft das Deprivationssyndrom (Defizite in der Gehirnstruktur durch reizarmes Aufwachsen), das eine Hyperaktivität auslöst. Die Hunde kommen absolut nicht mit ihrer Umwelt zurecht. Aber das ist ein anderes, sehr ausfüllendes Thema 😀

Wie ernähre ich einen Hyperaktiven Hund?

Die Antwort ist relativ einfach: Auf jeden Fall getreidefrei. Ich persönlich würde auch von Kartoffeln, Reis und weiteren Füllstoffen und Dickmachern abraten. Ein Fleisch – Gemüse – Obst – Mix hat bisher die besten Ergebnisse gebracht. Von einem Trockenfutter ist ebenso abzuraten, am besten fährt man mit hochwertigem Nassfutter (eine Sorte Fleisch und ein bis zwei weitere Komponenten z.B. zwei Gemüsesorten) und keinen Kräutern. Es ist auf proteinreiche Ernährung zu achten. Von Quark und Milchprodukten rate ich ab, da viele Hunde mittlerweile eine Laktoseintoleranz haben und Milchprodukte nicht vertragen.

Hyperaktive Hunde brauchen synthetische Zusatzstoffe und Kohlenhydrate außerhalb der normalen Fütterung. Die bekommen sie durch z.B. Leckerlis, die sie mindestens zwei Stunden nach der Fütterung bekommen sollten, damit das Tryptophan die Blut-Hirn-Schranke überwindet und Serotonin im Gehirn gebildet werden kann . Das eine passt natürlich gar nicht zu dem anderem, aber die Fütterung mit „gesunden“ Kohlenhydraten außerhalb des normalen Futters, hat einfach nicht so gut funktioniert, vor allem in Hinsicht auf die Laktoseintoleranz.

Ich schwanke nun mal vom Fitnesssport rüber zu sehr aktiven Powerhunden: Die kommen mit dem, was im normalen Futter ist, einfach nicht aus, vor allem wenn man ein hochwertiges Futter ohne synthetische Zusatzstoffe füttert. Deshalb müssen sie, wie Leistungssportler auch, zusätzlich Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente bekommen. Da wir die Hunde aber nicht mit Quark, Obst und Gemüse vollstopfen können (mögliche Probleme mit der Magensäure und dem Säure-Basen-Haushalt), ist die Wahl der synthetischen Ergänzungen, meiner Meinung, nach die beste. Ein guter (Leckerli)Lieferant um das Serotonin zu puschen (außerhalb der normalen Ernährung) sollte enthalten: Kohlenhydrate (z.B. Getreide), Proteine und Zusatzstoffe, z.B. anorganischen Stoffe die wichtig für Magensäure und Nervenzellen sind.

Wie lebe ich mit einem Hyperaktiven Hund ohne durchzudrehen?

Wenn man einen Hyperaktiven Hund hat, sollte man sich vor allem eins zulegen: Gute Nerven.
Die Erziehung eines solchen Hundes dauert mindestens doppelt so lange wie eine normale Hundeerziehung und dann geht es ein ganzes Hundeleben lang so weiter. Als Hundetrainer hat man es mit Kunden, die einen Hyperaktiven Hund haben, nicht einfach. Erfolge stellen sich nur sehr langsam ein und manches funktioniert auch erst gar nicht. Ich bin der Meinung, dass man das auch ohne Hundetrainer schaffen kann, wenn man sich an die Punkte aus diesem Beitrag hält. Die Bücher sind wirklich einfach geschrieben und erklärt, dazu noch einen guten Tierarzt an der Hand und das Verständnis, eben einen spezielleren Hund zu haben, als der Großteil der anderen Hundehalter.

Ich habe Hyperaktive Hunde schon durch viele Besitzerhände wandern sehen, sie erfordern ein hohes Maß an Geduld, Weitsicht, Humor und Verlässlichkeit. Es ist ja auch nicht so einfach, mit einem überdrehten Hund durch die Welt zu laufen und wegen diesem dauernd schief angeguckt zu werden. Sehen wir es mal so: Man trainiert ein furchtbar gutes Selbstbewusstsein und merkt, auf wenn man alles schei*** kann. Wie engstirnig die Leute sind. Wie überlaufen mit ihren Vorurteilen. Wie beschränkt im Hirn. Jeder Angriff von außen sollte Euch noch stärker mit Eurem Hund verbinden. Was wissen schon die Leute. Nicken, lächeln und weitergehen.

Eure Hundetrainerin
Nathalie

www.089dogs-hundetraining.de
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